{"id":8453,"date":"2025-09-20T12:28:43","date_gmt":"2025-09-20T10:28:43","guid":{"rendered":"https:\/\/mokita.de\/blog\/?p=8453"},"modified":"2025-09-20T12:28:44","modified_gmt":"2025-09-20T10:28:44","slug":"bericht-mit-dem-roller-von-stuttgart-nach-hamburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mokita.de\/blog\/2025\/09\/20\/bericht-mit-dem-roller-von-stuttgart-nach-hamburg\/","title":{"rendered":"Bericht: Mit dem Roller von Stuttgart nach Hamburg"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich habe 2004 in Rom zum ersten Mal eine <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Honda_Zoomer_50\">Honda Zoomer<\/a> gesehen und mich schockverliebt. Ich wusste, wenn ich irgendwann Mal einen Roller &#8222;brauche&#8220;, dann soll es so einer sein. Vier Jahre sp\u00e4ter, relativ frisch in Stuttgart und in meinem ersten Job beim Radio, da w\u00fcrde mir ein Roller beim pendeln ein bisschen Zet sparen beim. Also suche ich online, bis ich irgendwann eine Honda Zoomer in Gelb finde, die mir sofort gef\u00e4llt. Nur steht sie in der N\u00e4he von K\u00f6ln. <\/p>\n\n\n\n<p>Weil die Sprache der Liebe meines Vaters aber Hilfsbereitschaft ist, leihen wir uns von Bekannten einen Anh\u00e4nger und fahren nach K\u00f6ln. Nach einer Runde auf dem Parkplatz des H\u00e4ndlers fahre ich den Roller auf den Anh\u00e4nger und kann die ganze Fahrt nach Hause nicht die Augen vom Roller lassen. F\u00fcr knapp zwei Jahre ist Maja (wie die Biene) mein t\u00e4gliches Gef\u00e4hrt, um zur Arbeit zu kommen. Nachdem ich 2010 mit dem <a href=\"https:\/\/mokita.de\/blog\/geschriebenes\/sprechkunst-und-kommunikationspaedagogik-der-studiengang\/\" data-type=\"page\" data-id=\"4299\">Studium<\/a> anfange, steht der Roller fast nur rum. Aber ich bringe es nicht \u00fcbers Herz, ihn zu verkaufen. Nach 2012 ist der Roller  in Europa nicht mehr neu verf\u00fcgbar. Sp\u00e4testens jetzt ist klar, dass ich meinen behalte, auch wenn er die meiste Zeit nur hinterm Haus steht. <\/p>\n\n\n\n<p>Sprung zu Ende 2023. Es ist klar, dass wir nach Hamburg ziehen werden, sobald wir eine Wohnung finden. Und direkt ist mir klar, wenn das passiert, dann fahre ich mit dem Roller, der h\u00f6chstens 45 km\/h f\u00e4hrt, von Stuttgart nach Hamburg. <\/p>\n\n\n\n<p>Seit Ende 2024 haben wir unsere Wohnung in Ottensen, jetzt muss ich nur noch ein bisschen Zeit im Sommer finden, um den Trip zu machen. Letzte Woche war&#8217;s soweit. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich hab mir f\u00fcr die Navigation ein <a href=\"https:\/\/beeline.co\/pages\/beeline-moto\">Beeline Moto 2<\/a> gekauft, ein kleines Navigationsger\u00e4t f\u00fcr Motorr\u00e4der, damit ich nicht immer wieder auf&#8217;s Handy gucken muss. Das Navi funktioniert auch f\u00fcr&#8217;s Fahrrad, die letzten Wochen bin ich damit durch Hamburg gefahren, hab die Stadt besser kennengelernt. Ansonsten habe ich eine Powerbank, eine <a href=\"https:\/\/store.insta360.com\/product\/x3?c=2118&amp;from=nav_product\">Insta 360 X3<\/a>, eine Regenhose und Spanngurte eingepackt, alles zusammen mit meinen Klamotten in einem gro\u00dfen Wanderrucksack. Ohne das vorher getestet zu haben, hatte ich vor, den Rucksack zwischen meine Beine zu packen und festzuspannen, damit ich ihn nicht die ganze Zeit tragen muss und der Schwerpunkt tiefer liegt. <\/p>\n\n\n\n<p>In den Wochen vorher habe ich mir eine Route \u00fcberlegt, die mich jeden Tag zwischen 115 und 180 Kilometer weiterbringt und jeweils in einer Stadt endet, in der ich jemanden kenne, bei dem ich \u00fcbernachten kann: <\/p>\n\n\n\n<p>Stuttgart &#8211; Tauberbischofsheim &#8211; Fulda &#8211; G\u00f6ttingen &#8211; Hannover &#8211; Hamburg<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcnf Tage. Ich komme Freitagabend in meiner alten WG an, verbringe noch einen sch\u00f6nen Abend mit Freund:innen, dann geht es am Samstag los. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tag 1:<\/strong> Stuttgart &#8211; Tauberbischofsheim<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem klar ist, dass mein Rucksack tats\u00e4chlich zwischen Sitz und Lenker passt, verabschiede ich mich von Hannah und Robert und fahre los, aus dem Stuttgarter Westen in den Osten und durch den Tunnel nach Bad Cannstatt. Der Teil durch Stuttgart ist der z\u00e4hste und anstrengendste. Aber da ist der Typ auf einem orangenem Roller, der eine Weile neben mir f\u00e4hrt, f\u00fcr ein paar Kilometer verschwindet und pl\u00f6tzlich wieder neben mir ist, das ist witzig.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann bin ich aus der Stadt raus, jetzt kommen Landstra\u00dfen und die Sonne scheint. Das sind die sch\u00f6nsten Momente, sie kommen immer wieder auf der Reise. Diese erste Etappe dauert relativ lang, knapp f\u00fcnfeinhalb Stunden bin ich unterwegs f\u00fcr 150 Kilometer. Dann komme ich bei Sascha und Ina, meiner Schw\u00e4gerin und ihrer Familie an und werde vollkommen umsorgt. Kuchen und Essen und Gespr\u00e4che und Spielen mit den Neffen. Und letztendlich ein Bett.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tag 2:<\/strong> Tauberbischofsheim &#8211; Fulda<\/p>\n\n\n\n<p>Noch gemeinsam fr\u00fchst\u00fccken, dann geht&#8217;s los. Am Abend vorher habe ich den Roller wieder vollgetankt. Das wird das t\u00e4gliche Ritual: Sobald ich angekommen bin, lade ich den Rucksack ab und fahre nochmal tanken. Der Tank ist unter dem Fu\u00dfbrett und deshalb nicht erreichbar mit dem Rucksack drauf. Jetzt kann ich ihn wieder draufpacken. In der Nacht und \u00fcber den Morgen regnet es, deshalb warte ich den Schauer ab und packe mich in meine Regenmontur ein. Mein ehemaliger Vermieter in Stuttgart f\u00e4hrt selbst Motorrad und als ich ihm erz\u00e4hle, was ich vorhabe, hat er mir noch bessere Handschuhe, eine Regenjacke und Stulpen f\u00fcr die Schuhe zugesteckt. An diesem Morgen habe ich zum ersten Mal alles an. Ab jetzt werde ich jeden Morgen alles anziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Fahrt ist 35 Kilometer und zwei Stunden k\u00fcrzer, fast durchweg \u00fcber sch\u00f6ne Landstra\u00dfen und durch D\u00f6rfer, mit ein paar Serpentinen und durch ein paar W\u00e4lder. Ein bisschen nass ist es, sonst aber geht alles gut. In der N\u00e4he von Fulda komme ich bei Jana an, gehe tanken und danach geht&#8217;s mit dem Hund in den Wald.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor der Tour sa\u00df ich h\u00f6chstens mal f\u00fcr 50 Kilometer auf dem Roller. Ich hatte gedacht, falls irgendwas schief geht oder ich das nicht so lange auf dem Roller aushalte, dann stelle ich ihn eben irgendwo ab und hole ihn mit dem Camper. Tats\u00e4chlich geht&#8217;s mir aber bis zum Ende ganz gut, nur der R\u00fccken schmerzt irgendwann. Trotzdem ist es sehr sinnvoll, neben den Fahrten noch ein bisschen Bewegung zu haben. <\/p>\n\n\n\n<p>Wieder viele Gespr\u00e4che, wieder gutes Essen, wieder ein Bett. Obwohl ich ja fast nur sitze in den Tagen, bin ich jede Nacht extrem ersch\u00f6pft und fr\u00fch im Bett. Eigentlich dachte ich, Abends noch ein bisschen schreiben zu k\u00f6nnen, komme aber zu gar nichts. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tag 3:<\/strong> Fulda &#8211; G\u00f6ttingen<\/p>\n\n\n\n<p>Es sieht wieder nach Regen aus. Also verabschiede ich mich komplett eingepackt  von Jana und Julian und Artus und fahre los, knapp 160 Kilometer in fast 5 Stunden. Ich werde schneller und gew\u00f6hne mich an das Fahren, komme gut und schnell durch, auch wenn es manchmal heftig regnet. Ein Gl\u00fcck h\u00e4lt die Montur mich trocken. Nur kommen jetzt immer l\u00e4ngere Strecken auf Bundesstra\u00dfen und die sind anstrengend. Wenn so ein LKW dich \u00fcberholt, das ist ganz sch\u00f6n be\u00e4ngstigend. Schlimmer noch eigentlich die entgegenkommenden LKW und der Sog, den sei erzeugen. \u00c4hnlich schlimm auch manche Autos, die mich manchmal sehr knapp \u00fcberholen. Am fr\u00fchen Nachmittag komme ich in G\u00f6ttingen an, bei Sandra und Marius. Wir haben uns schon viel zu lange nicht gesehen, spazieren gemeinsam durch G\u00f6ttingen und reden, danach noch Essen und noch mehr Gespr\u00e4che, bis ich irgendwann auf der Couch einschlafe. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tag 4:<\/strong> G\u00f6ttingen &#8211; Hannover<\/p>\n\n\n\n<p>Sturmwarnung und Windb\u00f6en. Also nach dem Fr\u00fchst\u00fcck wieder in die Montur und ab auf den Roller. Diesmal komme ich wieder in Regen. Gl\u00fccklicherweise mit 110 Kilometer und dreieinhalb Stunden die k\u00fcrzeste Tour. Dann bin ich bei Ric und Niko und Lena und ihren Jungs. Wieder Gespr\u00e4che und Essen, diesmal aber auch einfach viel auf der Couch sitzen und ersch\u00f6pft sein. Ich freue mich auf ein fr\u00fches Bett.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tag 5:<\/strong> Hannover &#8211; Hamburg<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin ehrlich gesagt ziemlich erstaunt, wie gut die ganze Tour geklappt hat, wie gut der Roller mitmacht und wie okay ich mit den langen Strecken bin. Der letzte Tag ist auch der \u00e4rgste, mit knapp 6 Stunden und 170 Kilometern. Die letzten 30 davon innerhalb Hamburgs. Und dann fast vor dem Ende f\u00fchrt mich das Navi \u00fcber die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/K%C3%B6hlbrandbr%C3%BCcke\">K\u00f6hlbrandbr\u00fccke<\/a>. Kann ich leider gar nicht so richtig genie\u00dfen, weil ich mit komplett gezogenem Gashebel versuche, schneller zu sein als der LKW hinter mir. Und dann biege ich in meine Stra\u00dfe ein und bin da. Nach 703,2 Kilometern und etwa 23 Stunden Fahrtzeit. Krass.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt bin ich seit ein paar Tagen wieder zuhause. Jedes Mal, wenn ich am Roller vorbeilaufe, freue ich mich genauso, ihn zu sehen, wie damals vor 20 Jahren. <\/p>\n\n\n\n<p>War eine sehr sch\u00f6ne Tour und ich bin all den Menschen dankbar, bei denen ich schlafen konnte und die sich immer wieder erkundigen, ob alles okay ist. Ich liebe diesen Roller wie damals. Aber ich bin auch sehr okay damit, eine ganze Weile nicht so lange drauf sitzen zu m\u00fcssen. <\/p>\n\n\n\n<p>PS: Ich hab das ganze mitgefilmt. Wenn ich mich durchringe und mit der Software auseinandersetze, gibt&#8217;s vielleicht ein Video.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe 2004 in Rom zum ersten Mal eine Honda Zoomer gesehen und mich schockverliebt. Ich wusste, wenn ich irgendwann Mal einen Roller &#8222;brauche&#8220;, dann soll es so einer sein. 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