{"id":8436,"date":"2025-07-29T16:20:04","date_gmt":"2025-07-29T14:20:04","guid":{"rendered":"https:\/\/mokita.de\/blog\/?p=8436"},"modified":"2025-07-29T16:20:05","modified_gmt":"2025-07-29T14:20:05","slug":"bericht-die-schoensten-straende-gibt-es-rund-um-aguilas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mokita.de\/blog\/2025\/07\/29\/bericht-die-schoensten-straende-gibt-es-rund-um-aguilas\/","title":{"rendered":"Bericht: \u203aDie sch\u00f6nsten Str\u00e4nde gibt es rund um \u00c1guilas\u2039 \u2026"},"content":{"rendered":"\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><\/blockquote>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Gastbeitrag von Maria Nowotnick.\u00a0<\/pre>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir wollten vier Wochen durch S\u00fcdspanien reisen, Andalusien erkunden, mit dem eigenen Auto, ich wollte meinem Freund zeigen, wie sch\u00f6n es dort ist \u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch irgendwie kam alles anders.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir sind mit Sicherheit beobachtet worden, jemand hat aufgepasst, dass wir so schnell nicht wiederkommen, das macht es nur noch widerlicher. Am 28. April liegen wir gegen Mittag am Strand und f\u00fchlen uns aus irgendwelchen Gr\u00fcnden sicher, f\u00fchlen uns vor allem das erste Mal wohl auf dieser bis dahin eher abenteuerlichen Reise. Neben uns liegen junge Frauen oben ohne,  ein Paar sogar komplett nackt. Spanien zeigt sich von seiner aufgeschlossensten Seite, denken wir. Da ahnen wir noch nicht, dass uns gerade alles genommen wird. Dass unser extra f\u00fcr diesen gro\u00dfen Urlaub neu gekauftes Auto vermutlich genau in diesem Moment aufgebrochen und leerger\u00e4umt wird. Bis aufs Letzte. Jede Tasche, jedes Kleidungsst\u00fcck, alles wird blind mitgenommen. Ohne R\u00fccksicht auf irgendetwas.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenig sp\u00e4ter habe ich keine Brille mehr, keine Papiere, keine Unterw\u00e4sche, und dass mein Laptop in meinem Rucksack neben meinem Tagebuch und meinem handgeschriebenen Kalender lag, erg\u00e4nzt das Grauen nur.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vorher verbringen wir zwei wirklich sch\u00f6ne Tage im etwas vereinsamt erscheinenden San Juan de los Terreros, ist ja noch keine Saison, denken wir, allerdings sollten die Einwohner schon ab und an zu sehen sein \u2026 \u203aDie K\u00fcste von \u00c1guilas ist nicht so touristisch\u2039, lesen wir nach, \u203aes gibt keinen gro\u00dfen Flughafen in der N\u00e4he, deshalb bleiben die Besucherst\u00fcrme aus.\u2039 Das klingt doch gerade f\u00fcr uns planlose Individualtouristen nett. Was f\u00fcrchterlich aussieht an dieser hochgelobten K\u00fcste hingegen, sind die unz\u00e4hligen Vans und Wohnmobile, teilweise sogar direkt am Strand geparkt. Schon von der Stra\u00dfe ersp\u00e4hen wir das dystopisch wirkende Bild, lassen uns davon aber nicht verdrie\u00dfen, finden es sogar ein bisschen spannend, das mal aus der N\u00e4he zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Frohen Mutes checken wir an dem Tag, an dem wenige Stunden sp\u00e4ter in ganz Spanien der Strom ausfallen wird, aus unserem alles andere als luxuri\u00f6sen 2-Sterne-Hotel aus, beladen unser Auto, das direkt davor parkt. Nehmen noch ein unbestelltes Fr\u00fchst\u00fcck ein, wollen es gar nicht glauben, dass wir \u203aso ein Gl\u00fcck haben\u2039. Lassen uns das R\u00fchrei kredenzen von der netten Hotelangestellten und freuen uns auf den n\u00e4chsten Stopp \u2013 Granada. Streben, bevor es ins Landesinnere gehen soll, einen Halt an einem dieser sch\u00f6nen Str\u00e4nde hier an, unser Auto stellen wir Punkt 12:00 Uhr am Parkplatz direkt an der Stra\u00dfe und neben einem Wohnmobil mit Berliner Kennzeichen ab, halten das f\u00fcr ein gutes Zeichen. Halten diesen Parkplatz f\u00fcr sicher. Ich \u00fcberlege noch, mein Portemonnaie <em>nicht<\/em> im Auto zu lassen (davon abgesehen, dass unser s\u00e4mtliches Hab und Gut darin liegt), tue es dummerweise doch. Weibliche Intuition? Auf die ich leider nicht h\u00f6re \u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gegen 12:30 Uhr f\u00e4llt im ganzen Land der Strom aus, wir merken davon am Strand nichts. Lassen die Handys ausnahmsweise mal in unseren Taschen, genie\u00dfen die Sonne und das Meer. Wundern uns, dass pl\u00f6tzlich ein Gro\u00dfteil der Badelustigen aufzubrechen scheint, denken: Es ist Mittagszeit, klar! Wir haben noch ein bisschen Zeit, wollen erst gegen fr\u00fchen Abend in Granada sein (dass ausgerechnet dort auch noch der Grund f\u00fcr den Stromausfalls zu liegen scheint, erg\u00e4nzt die Skurrilit\u00e4t unserer Geschichte nur). Wir schmieden Pl\u00e4ne und sind das erste Mal auf dieser Reise sicher, alles richtig gemacht zu haben. Packen es irgendwann und machen noch sch\u00f6ne Erinnerungsfotos von dieser Traumbucht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf dem Weg zum Auto, kein Verdacht, ach, es steht nicht mehr im Schatten, ok. Passiert. Ich \u00f6ffne die hintere T\u00fcr, lege unsere Badesachen ins Auto, merke nichts, immer noch. Mein Freund macht Fotos, als Erinnerung an diese sch\u00f6ne Reise mit unserem schicken neuen Auto \u2026 und pl\u00f6tzlich merke ich, dass die R\u00fccksitze leicht nach vorn geklappt sind, frage ihn, ob er das war. Ja, vielleicht beim Einladen, \u00fcberlegt, er noch laut \u2026 aber ich \u00f6ffne instinktiv das Handschuhfach: leer. Mein Portemonnaie: weg. Er \u00f6ffnet den Kofferraum, sieht nichts mehr von unserem Gep\u00e4ck und sagt: \u203aWir sind ausgeraubt worden \u2013 ruf die Polizei!\u2039 Diese Worte werde ich nie vergessen. \u203aWir sind ausgeraubt worden\u2039, was hei\u00dft das nur auf Spanisch? \u00dcberlege ich, will es schnell googlen und parallel die Nummer der spanischen Polizei w\u00e4hlen \u2013 beides geht nicht, ich habe kein Netz. Er auch nicht. Wir rennen panisch mit den Handys in der Hand umher und versuchen vergeblich, Empfang zu bekommen. Keine Chance. Ich m\u00f6chte weinen, schreien und einfach nur zusammenbrechen, weil mir langsam klar wird, dass wir all unserer Sachen beraubt wurden. Dass unser Auto aufgebrochen und alles aus ihm entfernt wurde, was wir nicht bei uns hatten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber ich versuche, mich zusammenzurei\u00dfen und st\u00fcrze mich auf das erste Auto, das auf eben diesen Parkplatz gefahren kommt, auf dem wir offensichtlich ausgeraubt worden sind. Zwei englischsprachige Touristen sitzen darin, ich frage sie, ob sie auch keinen Empfang h\u00e4tten, und erkl\u00e4re ihnen, was uns passiert ist. Sie scheinen auch eben erst festzustellen, dass sie netzlos sind, wissen nicht so recht, was sie nun (f\u00fcr uns) tun k\u00f6nnen, und ich halte noch ein Auto an, eine F\u00fcgung! <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Familie sitzt darin, der Sohn f\u00e4hrt, seine Schwester sitzt neben ihm, hinten der Vater mit den beiden Enkeln. Sie sprechen Englisch, halten sofort an und erkl\u00e4ren wiederum uns, was passiert ist. Blackout, in ganz Spanien, kein Strom, kein Netz, deshalb k\u00f6nnen wir auch keine Polizei anrufen oder sonst jemanden. Die Familie ist aus Island. Der Vater, Totti, unser rettender Engel, ist Reisef\u00fchrer und spricht zuf\u00e4llig flie\u00dfend Englisch, Spanisch und Deutsch. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir zeigen ihm die Stelle, an der die Fahrert\u00fcr unseres Autos mit der Brechstange und jeder Menge Gewalt aufgehebelt wurde. Seine Tochter schaut mir tief in die Augen und versucht, mich zu beruhigen. Ich wei\u00df nicht, was wir ohne diese Familie getan h\u00e4tten \u2026 Totti sagt, er wohne in \u00c1guilas in der N\u00e4he der Guardia Civil, wir sollen ihm folgen, hierher k\u00e4me jetzt sowieso niemand, alle h\u00e4tten gerade andere Sorgen. Wir glauben ihm, folgen blind. Inzwischen haben wir kapiert, dass jemand unser Auto aufgebrochen haben muss, w\u00e4hrend wir am Strand lagen, nichtsahnend, dass dieser jemand (oder noch viel mehr diese Jemande) all unsere Sachen, drei Koffer, zwei Taschen, zwei Rucks\u00e4cke, zwei Portemonnaies aus unserem Auto geholt, teils gezerrt haben m\u00fcssen. Eine Sonnenbrille liegt neben unserem Auto, die war da vorher nicht, sie muss von einem der Diebe stammen. Ich nehme sie an mich. Auch einer unserer Corny-Riegel lag da, Notproviant, der beim Raub herausgefallen sein muss. Es f\u00e4llt uns schwer, den Tatort zu verlassen, wir verstehen allerdings auch nicht viel in dem Moment. Eben noch war mir hei\u00df in der Sonne am Strand, nun wird mir immer k\u00e4lter &#8230; ich klammere mich an meine Wasserflasche und meine leere G\u00fcrteltasche, ich umklammere mein Telefon, auch wenn es mir gerade nichts bringt. Wir fahren Totti und seiner Familie hinterher, ohne zu wissen, wohin. Alles passiert wie im Wahn \u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die M\u00e4nner der Guardia Civil sind bedingt freundlich, sie behaupten, sie w\u00fcrden uns helfen, sobald der Strom wieder da sei, wir sollen Ruhe bewahren. Ich m\u00f6chte wieder nur weinen und schreien, habe mir inzwischen die durch Zufall \u00fcbriggebliebenen Jacken alle \u00fcbereinander gezogen. Mein winziges Gl\u00fcck in dem Moment: ein Dreckw\u00e4sche-Beutel, den die Diebe haben liegen lassen, eine lange Stoffhose bringt mich \u00fcber den restlichen Tag (sowie \u00fcber die weitere Reise). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den Proviant f\u00fcr die Fahrt nach Granada stopfe ich mir aus Verzweiflung und unter Schock in den Mund, als wir einsehen m\u00fcssen, dass niemand etwas f\u00fcr uns tun kann, solange der Strom weiter nicht zur\u00fcckkommt. Dass wir niemanden \u00fcber unseren Zustand informieren k\u00f6nnen, weil auch der Empfang nicht zur\u00fcckkommen wird, ehe die Ursache f\u00fcr diesen landesweiten Blackout gefunden wurde, wiegt mit am schwersten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich \u00fcbergebe der Guardia Civil die Sonnenbrille, ich h\u00e4tte sie nicht anfassen sollen, sagt der Polizist. Ich verstehe das meiste und kann auch knapp antworten, aber ohne Totti w\u00e4ren wir aufgeschmissen. Er erkl\u00e4rt geduldig, was uns geschehen ist. Es hilft nichts. Die Spurensicherung nimmt sich immerhin unser Auto vor, nimmt jede Menge Fingerabdr\u00fccke, die, wie wir betonen, unter keinen Umst\u00e4nden von uns stammen k\u00f6nnen. Wir entdecken auch jetzt erst all die Schleifspuren und verstehen erneut, <em>was<\/em> alles weg ist. Es wird Abend, wir haben keine Unterkunft mehr, keine Papiere, kein Geld \u2026 <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir stehen am Strand und versuchen krampfhaft, mit jedem Hauch von Handyempfang unsere Karten sperren zu lassen. Eine joggende Amerikanerin fragt mich, ob wir Neues zum Stromausfall w\u00fcssten, und ich erkl\u00e4re ihr unter Tr\u00e4nen, was uns geschehen ist. Sie nimmt mich in den Arm und spricht mir Mut zu, empfiehlt uns ein Hotel, in dem es angeblich Strom und Internet g\u00e4be, ich sch\u00f6pfe Hoffnung. Sie empfiehlt uns au\u00dferdem, ein Crowdfunding zu machen wegen all unserer verloren gegangenen Sachen, und \u00fcberlegt dabei laut, was sie eigentlich f\u00fcr Versicherungen (nicht) abgeschlossen hat \u2026 sie joggt weiter in den Sonnenuntergang, wir erreichen tats\u00e4chlich mit viel Gl\u00fcck die Bank und haben Stunden nach dem Raub wenigstens alle Karten gesperrt. Im von der Amerikanerin empfohlenen Hotel gibt es keine freien Zimmer mehr. Wir werden abgewiesen, w\u00e4hrend sich die wohlhabenden Hotelg\u00e4ste Sorgen um ihr warmes Abendessen machen. Die Amerikanerin kommt wieder auf uns zu, diesmal ganz in Wei\u00df, fein gemacht f\u00fcrs Abendessen. Keine freien Zimmer mehr? Nun kann auch sie uns nicht mehr helfen \u2026 <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir haben von Totti 100 Euro in die Hand gedr\u00fcckt bekommen, suchen weiter verzweifelt nach einem Hotel, das uns ohne Identit\u00e4t aufnimmt. \u203aSan Carlos\u2039 tut es, der Besitzer ist vollkommen high, macht aber einen hilfsbereiten Eindruck. Ich erkl\u00e4re ihm, was passiert ist, so gut wie ich eben kann. Mein Freund wartet im aufgebrochenen Auto. Carlos nimmt uns auf, sein Hotel ist (wie alles im Land) stockdunkel und dadurch noch unheimlicher. Mit einer Taschenlampe weist er uns dem Weg zum Zimmer, es riecht enorm nach Rauch. Wir m\u00fcssen irgendwo schlafen, das wissen wir. Dann eben hier. Die 100 Euro an uns geklammert suchen wir einen Supermarkt auf. W\u00e4hlen den Spar, den wir schon kennen, und treffen durch Zufall dort die Hotelangestellte, die uns heute Morgen unaufgefordert das Fr\u00fchst\u00fcck kredenzt hatte. Ich versuche, auch ihr zu erkl\u00e4ren, was uns passiert ist. Sie antwortet mir, dass alle keinen Strom mehr h\u00e4tten, wundert sich, dass wir \u00fcberhaupt noch in der Stadt sind \u2026 <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich versuche ohne Hilfe von einem W\u00f6rterbuch klarzumachen, dass wir nicht nur ohne Strom, sondern ohne <em>alles<\/em> sind. Dass wir zwar, obwohl wir bis aufs Hemd ausgeraubt wurden, ein Hotel gefunden h\u00e4tten, uns dort aber auch nicht wirklich sicher f\u00fchlten. Frage, ob sie uns wieder aufnehmen k\u00f6nnte \u2013 \u203a<em>euch<\/em> schon\u2039, sagt sie. Wir verabreden uns f\u00fcr \u203agleich\u2039 vor dem ansonsten vollkommen verlassenen und wie alles andere auch dunklen Hotel. Bringen den Schl\u00fcssel zur\u00fcck zu \u203aSan Carlos\u2039, \u00fcberlegen uns Ausreden, warum wir das Zimmer nicht mehr brauchen. Carlos ist es egal und wir haben Angst, wir k\u00f6nnten diese Entscheidung bereuen \u2026 Fiorella, wie wir sp\u00e4ter erfahren werden, wie die Hoteldame hei\u00dft, steht allerdings tats\u00e4chlich mit Taschenlampe vor dem Hotel und wartet auf uns, erlaubt uns sogar, das aufgebrochene Auto in die Garage zu fahren, heute, an diesem \u203aPechtag\u2039 \u2026 Sie habe nun neben dem fehlenden Strom aber auch kein Wasser im ganzen Hotel, warnt sie uns. Die Strafe vielleicht doch, denn bei Carlos h\u00e4tten wir eine hei\u00dfe Dusche nehmen k\u00f6nnen. Egal. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Warum auch immer, wir f\u00fchlen uns hier sicher. Obwohl wir h\u00f6chstwahrscheinlich genau hier schon beobachtet wurden, wie wir das Auto vollluden, vielleicht sogar deshalb das unbestellte Fr\u00fchst\u00fcck? Um Zeit zu gewinnen? Vielleicht hat genau diese Frau, die uns gerade Obdach gew\u00e4hrt, heute Morgen den Dieben Bescheid gegeben, dass wir nun unterwegs und angreifbar sind \u2026 <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir sitzen abends im selben Zimmer, aus dem wir morgens gl\u00fcckselig und mit leichter Wehmut ausgecheckt waren. Nur haben wir nichts mehr, wir haben nur noch uns. Die Toilettensp\u00fclung reicht genau f\u00fcr einen Gang, die H\u00e4nde desinfizieren wir, statt sie zu waschen und die Z\u00e4hne putzen wir sp\u00e4rlich mit Trinkwasser. Es ist ein Horrortag, ich wei\u00df nicht, wie wir es schaffen, engumschlungen in den Schlaf zu finden. Unsere einzige Hoffnung ist, dass am n\u00e4chsten Tag der Strom wieder geht und wir jemanden anrufen k\u00f6nnen. Unsere Handys laden \u2026 Wir sind mit Totti an seiner Wohnung verabredet, falls dem nicht so sein sollte, und so kommt es. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am n\u00e4chsten Morgen: eine unver\u00e4nderte Gesamtsituation. Kein Strom, kein Wasser, kein Handyempfang \u2013 und es ist wirklich wahr: Alle unsere Sachen sind gestohlen. Es war kein b\u00f6ser Traum, es ist alles genauso passiert \u2026 Wir m\u00fcssen zur Polizei! Sie m\u00fcssen! uns jetzt endlich helfen \u2026 <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf dem Weg nach \u00c1guilas kehrt der Handyempfang zur\u00fcck, der Strom scheint hier wieder da zu sein \u2013 wo gestern Abend noch absolutes Chaos herrschte, die Polizei Patrouille fuhr und die Restaurants alle geschlossen, die Gesch\u00e4fte dunkel waren, die Ampeln ausgefallen und die Menschen panisch, scheint langsam Normalit\u00e4t einzukehren. Wir m\u00fcssen zur Guardia Civil! Aber erst zu Totti, wo wir eine Liste mit den geklauten Dingen anlegen, sogar die Seriennummern unserer Computer herausfinden und im Onlinebanking sehen, dass unsere Kreditkarten doch schon genutzt wurden \u2013 in den wenigen Superm\u00e4rkten, die \u00fcberhaupt Kartenzahlung \u00fcber Notstrom m\u00f6glich gemacht hatten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Jetzt<\/em> m\u00fcssen sie die Diebe doch kriegen! Denke ich noch, ahne, wie sehr ich mich t\u00e4usche. Wir haben inzwischen unsere Familien informiert, sie kommen um vor Sorge und fragen, wie sie helfen k\u00f6nnen. Der Besuch bei der Guardia Civil wird wie erwartet anstrengend. Totti dolmetscht zum Gl\u00fcck, er findet das alles ganz spannend, kommt sich vor wie \u203aDerrick\u2039. Wir werden getrennt verh\u00f6rt, als w\u00e4ren wir die Verbrecher. Bekommen \u00c4rger, weil wir kein Foto von unserem Ausweis haben, keine Ausweisnummer im Kopf. Wir, die ausgeraubt wurden, m\u00fcssen Rechenschaft ablegen \u2026 <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich punkte mit meinem Spanisch und meinem Vornamen (\u203aMaria, wie die Jungfrau\u2039) \u2013 ich will das hier gut meistern, als w\u00fcrde es irgendetwas \u00e4ndern \u2026 Wir geben die Namen unsere Eltern an, unseren Wohnort und wann wir geboren wurden, wiederholen wieder und wieder, was passiert ist und bekommen am Ende eine ausgedruckte Anzeige auf Spanisch, die uns durch die n\u00e4chsten Tage tragen muss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mein Freund will sofort weg, ich kann das verstehen. Wir bleiben trotzdem ein paar Tage, um etwas zur Ruhe zu kommen. Ich hoffe insgeheim, dass die Guardia Civil sich vielleicht doch noch meldet oder dass wir irgendwo irgendetwas finden. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir fahren die Superm\u00e4rkte ab, in denen die Diebe mit unseren Karten bezahlt haben, obwohl wir eigentlich kein Geld f\u00fcr den Sprit samt Maut haben. Ich will mir einreden, dass wir am Stra\u00dfenrand oder in den M\u00fclleimern irgendetwas von unseren Sachen finden \u2026 jeder Fetzen w\u00fcrde mich gl\u00fccklich machen. Uns f\u00e4llt mit jeder Minute etwas Neues ein, das im Koffer oder im Handgep\u00e4ck war \u2026 es ist ein unsch\u00f6nes Gef\u00fchl, die Route der Diebe zu nehmen, die Superm\u00e4rkte zu betreten \u2013 hier waren <em>die<\/em> gestern \u2026 wir finden: Nichts. Die Entt\u00e4uschung ist riesig. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich telefoniere auf dem R\u00fcckweg mit dem ADAC, er kann uns nicht helfen, weil wir ja keine Panne haben. R\u00e4t uns, Geld \u00fcber Western Union schicken zu lassen \u2013 wie, ohne Ausweise?! Im Restaurant \u203aMi Cortijo\u2039, das wir die ersten Tage aufgesucht und mit dessen Besitzer wir uns gl\u00fccklicherweise sehr gut verstanden hatten, ist leider an diesem zweiten Abend nach dem Raub Ruhetag. Wir hatten die Hoffnung, dort vielleicht umsonst essen zu k\u00f6nnen. Christian ist trotzdem da und k\u00e4mpft wie alle mit den Folgen des Stromausfalls. Er ist zutiefst betroffen von dem, was uns passiert ist, hatte sich so f\u00fcr uns und unsere Reise durch Andalusien gefreut. Er gibt uns Bier, Zigaretten und Oliven, mehr hat er an dem Abend nicht, aber auch das hilft uns ungemein. Wenig sp\u00e4ter sind wir volltrunken, aber auch etwas getr\u00f6stet. Christian will versuchen, unsere Autot\u00fcr gerade zu biegen \u2013 mit einem Spanngurt. Und er schafft es. Wir sind beruhigt, weil es nun immerhin nicht mehr reinregnen kann (was laut ADAC \u203aunangenehm, aber nicht weiter schlimm\u2039 gewesen w\u00e4re), unser Auto ist nicht mehr aufgebrochen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir m\u00fcssen Christian versprechen, noch zu bleiben, damit wir am n\u00e4chsten Abend zu ihm zum Essen kommen k\u00f6nnen. Wir bleiben. Und haben noch ein, zwei sch\u00f6ne Strandtage, immer mit der Angst, wieder beobachtet zu werden. Totti leiht uns noch viel mehr Geld, immerhin m\u00fcssen wir 3000 km zur\u00fcckfahren. Meine Schwester \u00fcberweist es ihm, so schnell es geht, versichert sich, dass ich nicht KI-generiert bin, als ich sie am Telefon darum bitte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Niemand kann verstehen, wie gro\u00df der Verlust ist, wir sind nicht einfach nur bestohlen worden, uns wurde alles genommen \u2013 inklusive unseres Urlaubs. Wir liegen pl\u00f6tzlich ohne alles im Bett, ohne Dinge wie eine Knirschschiene, an die man sich gew\u00f6hnt hat und ohne die man wieder auszukommen lernen muss. Auch das Asthmaspray meines Freundes haben die Widerlinge mitgenommen, mit unserer Anzeige erkl\u00e4re ich in der Apotheke, dass es ein Notfall sei und wir ohne Rezept ein neues br\u00e4uchten. Es funktioniert. Sowieso sind alle \u2013 au\u00dfer der Guardia Civil und selbstverst\u00e4ndlich den Dieben \u2013 sehr lieb zu uns. Auch Fiorella gibt sich weiter gro\u00dfe M\u00fche, obwohl ich immer noch unsicher bin, ob sie nicht mit Schuld tr\u00e4gt an all dem. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weil wir zwischen \u00c1guilas und San Juan de los Terreros hin und herfahren m\u00fcssen in den Tagen nach dem Raub, passieren wir auch den Parkplatz, den Tatort, wieder und wieder. Das Wohnmobil mit dem Berliner Kennzeichen steht immer noch da und wir beschlie\u00dfen, anzuklopfen \u2013 vielleicht haben die Besitzer uns auch beobachtet und tragen nun vergn\u00fcgt unsere Kleidung \u2026 <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andreas ist der Besitzer und nicht aus Berlin. Auch er ist sichtlich betroffen von unserer Geschichte, macht sich Vorw\u00fcrfe, dass er nichts bemerkt hat, steckt uns 20 Euro zu. Er will die Augen offenhalten, falls sich doch noch Kleidung von uns anfindet \u2026 <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend wir dort wieder an derselben Stelle stehen, an der wir vor drei Tagen ausgeraubt wurden, und die Sonne schon wieder knallt, kommt ein sehr alter spanischer Vespafahrer angerollt. Er hat Andreas eine Brezel mitgebracht, hier kennt man sich, wenn man l\u00e4nger mit dem Wohnmobil am selben Ort verweilt. Er spricht Deutsch mit starkem Frankfurter Dialekt, denn da hat er 20 Jahre gelebt. Und meint tats\u00e4chlich, er habe unser Auto an dem Tag des \u00dcberfalls stehen sehen, sich noch gefragt, ob das gut gehen w\u00fcrde, ein Auto mit ausl\u00e4ndischem Kennzeichen hier so ganz allein \u2026 <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er kl\u00e4rt uns auf: Solche \u00dcberf\u00e4lle, wie uns geschehen, seien hier an der Tagesordnung. Als wir fragen, warum, antwortet er der schlechten wirtschaftlichen Situation wegen, der Fl\u00fcchtlinge \u2026, Gr\u00fcnde g\u00e4be es genug. Und die Polizei, ja, die traue sich in manche Stadtviertel gar nicht mehr rein. In dem Moment, als er uns die Horrorgeschichten erz\u00e4hlt, m\u00f6chte eine spanische Familie sich auf den Parkplatz stellen, von dem aus wir bestohlen wurden \u2013 ich warne sie, empfehle ihnen, umzuparken. Sie stellen keine Fragen, reagieren prompt. Der Vater ist selbst bei der Polizei und als ich ihn frage, ob so etwas hier \u00f6fter passiere, antwortet er nur, es sei kompliziert \u2026 <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Je mehr wir \u00fcber die gef\u00e4hrliche Gegend und \u00fcber die klassische Art des Diebstahls an vollbeladenen Fahrzeugen ausl\u00e4ndischer Touristen hier erfahren, desto w\u00fctender werden wir. Aber irgendwie hilft es uns auch. Wir sind bei Weitem nicht die Einzigen, denen so etwas passiert ist. Aber wir h\u00e4tten es wissen m\u00fcssen. Wir h\u00e4tten niemals so naiv handeln d\u00fcrfen, wir h\u00e4tten nach Granada fahren und dort w\u00e4hrend des landesweiten Stromausfalls ankommen sollen. Es ist nicht zu \u00e4ndern, unsere Sachen sind weg. Und sie werden nie wieder auftauchen. Es wartet eine Menge an Dingen auf uns, die erledigt werden wollen \u2026 Die Versicherung, die neuen Dokumente, die Reparatur des Autos, der Ersatz zumindest der wichtigsten Dinge (ohne Brille lebt es sich schlecht) und irgendwann das Nachholen des versauten Urlaubs. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der R\u00fcckweg ist deprimierend, wir zahlen Sprit und Maut am laufenden Band, ohne Urlaub gehabt zu haben. Wir sind knapp 3000 km gefahren, um ausgeraubt zu werden. Und nun fahren wir all diese Kilometer wieder zur\u00fcck, ohne Gep\u00e4ck, ohne Papiere, nur mit dem geliehenen Geld, das wir zum Tanken, \u00dcbernachten und Essen brauchen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als wir zuhause ankommen, ist der Schock erneut riesig. Unser Kleiderschrank ist wirklich leer. Vielmehr noch fehlen mehr Dinge, als wir urspr\u00fcnglich dachten. Regenjacken, falls es doch mal schlechtes Wetter gegeben h\u00e4tte, Strandkleidung, wenn es sch\u00f6n gewesen w\u00e4re. All die schicken Sommersachen, die den ganzen Winter darauf gewartet haben, wieder getragen zu werden, und die noch unanger\u00fchrt im Koffer waren. Es sind aber auch Erinnerungst\u00fccke verloren gegangen, die unter keinen Umst\u00e4nden zu ersetzen sind. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als wir anfangen, unsere Geschichte zu erz\u00e4hlen, wei\u00df keiner, wie er auf unseren Verlust reagieren soll. Alle sind betroffen und sprachlos, die meisten haben \u00e4hnliche Geschichten in petto oder zumindest schonmal von so einer geh\u00f6rt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich wei\u00df nicht, wie es weitergehen soll \u2026 <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber es muss. Irgendwie.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\"><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/marianowotnick\/\">Maria<\/a> liebt es zu schreiben: Rezensionen, Interviews, redaktionelle Beitr\u00e4ge, an ihrem ersten Roman \u2026 und eben manchmal auch \u00fcber das, was ihr selbst passiert. Auch wenn sie sich diesen Text lieber erspart h\u00e4tte, m\u00f6chte sie, dass er gelesen wird. Um zu warnen? Zu verarbeiten? Oder einfach,\u00a0um zu erz\u00e4hlen \u2026 Schreiben hilft, immer!<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gastbeitrag von Maria Nowotnick.\u00a0 Wir wollten vier Wochen durch S\u00fcdspanien reisen, Andalusien erkunden, mit dem eigenen Auto, ich wollte meinem Freund zeigen, wie sch\u00f6n es dort ist \u2026 Doch irgendwie kam alles anders. Wir sind mit Sicherheit beobachtet worden, jemand hat aufgepasst, dass wir so schnell nicht wiederkommen, das macht es nur noch widerlicher. 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