{"id":7666,"date":"2021-05-26T13:31:09","date_gmt":"2021-05-26T12:31:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mokita.de\/blog\/?p=7666"},"modified":"2021-05-26T13:31:09","modified_gmt":"2021-05-26T12:31:09","slug":"immer-noch-wach-bonusmaterial","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mokita.de\/blog\/2021\/05\/26\/immer-noch-wach-bonusmaterial\/","title":{"rendered":"Immer noch wach: Bonusmaterial"},"content":{"rendered":"\n<pre class=\"wp-block-preformatted\"><strong>Spoilerwarnung<\/strong>: Alternative und gel\u00f6schte Szenen werden viel \u00fcber den Inhalt des Buches verraten. Am besten also erst weiterlesen, wenn ihr das Buch <a href=\"https:\/\/www.mokita.de\/blog\/immer-noch-wach-der-roman\/\" data-type=\"page\" data-id=\"7222\">gelesen<\/a> habt.\nIch werde hier immer wieder neues Material hinzuf\u00fcgen.\nSchaut also immer wieder vorbei.<\/pre>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gel\u00f6schte Szene: Paris<\/h2>\n\n\n\n<p>Lisa wollte die Mona Lisa sehen, in echt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMein Vater hat mich nach dem Gem\u00e4lde benannt. Er hie\u00df Leonhard und er hat immer gesagt, ich sei sein Meisterwerk. Wir waren sogar in Paris, standen vor dem Louvre. Ich konnte damals noch gerade so mit dem Stock laufen und wollte keinen Rollstuhl und wir hatten die Reise sehr spontan gemacht. Das war die letzte Chance. Aber schon am Morgen war die Schlange vor der Pyramide so lang! Nach zwei Stunden konnte ich nicht mehr.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>*<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mitte Januar, es ist kalt und klar, schneefrei und f\u00fcr Paris sind das wohl wenig Touristen. Ich schiebe den Vorhang in meinem Hotelzimmer zur Seite. Unter mir verl\u00e4uft eine zweispurige Stra\u00dfe, die Reihe von B\u00e4umen rechts und links sind kahl und auf den D\u00e4chern der Autos spiegelt sich die Sonne. Mir ist klar, dass es nicht darum geht, die Mona Lisa zu sehen. Ich muss sie tats\u00e4chlich betrachten, ich muss Paris erleben. Ich muss hier ankommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich verbringe jeden Morgen in einem Caf\u00e9. Wenn die K\u00e4lte es zul\u00e4sst, sitze ich drau\u00dfen, manchmal in Decken geh\u00fcllt, manchmal unter Heizpilzen oder in den warmen Pavillons, die vor den L\u00e4den stehen. Ich studiere die Karten und das Interieur und teste Getr\u00e4nke, die ich nicht kenne, bis mir immer wieder aufs neue einf\u00e4llt, dass ich keine der neuen Ideen mit in den T\u00fcrrahmen nehmen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich spaziere \u00fcber Kopfsteinpflaster, Asphalt und Gras, unter dem Eiffelturm hindurch, am Triumphbogen und Notre-Dame vorbei und wenn ich irgendwo Menschenschlangen sehe, nehme ich einen anderen Weg.<\/p>\n\n\n\n<p>Einen Tag verbringe ich auf dem P\u00e8re Lachaise. Die von B\u00e4umen ges\u00e4umten Gassen f\u00fchren an den St\u00e4tten vorbei, verwittert und oft mehr als nur ein Grab, der Friedhof ist weitl\u00e4ufig und friedlich, wie ein Viertel nur f\u00fcr Tote. Selbst hier tummeln sich Touristen, bei Wilde, bei Piaf, bei Morrison.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich komme immer wieder am Louvre vorbei, beobachte die Menschen, wie sie langsam an den Absperrungen entlang um die Pyramide trotten. Ich wei\u00df, ich werde die Mona Lisa niemals f\u00fcr mich alleine haben.<\/p>\n\n\n\n<p>An meinem letzten Tag gehe ich an den Grundmauern der alten Burg und der umgedrehten Pyramide vorbei, durch das Carrousel du Louvre zum Nebeneingang und bin, obwohl das Museum noch nicht ge\u00f6ffnet hat, trotzdem nicht der erste.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich eile in den ersten Stock, dem L\u00e4cheln hinterher, das den Weg weist, vorbei an allen anderen Gem\u00e4lden bis in den Saal, an dessen Ende eine Extrawand steht. Mittig, ganz alleine und hinter Glas h\u00e4ngt dort die Mona Lisa.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine extra Absperrung, ich komme nur auf etwa zwei Meter an das Gem\u00e4lde ran. Ich stehe wenigstens in der ersten Reihe.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich betrachte den goldverzierten Rahmen, das darin liegende Bild und meine Spiegelung im Sicherheitsglas. Der Hintergrund k\u00f6nnte auch eine Zeichnung von Mordor sein, wie es vor Frodo und Sam liegt, eine d\u00fcstere zerkl\u00fcftete Landschaft im Nebel. Mir ist nie aufgefallen, dass sie auf einem Balkon sitzt, erst jetzt erkenne ich die Balustrade und die S\u00e4ulen. Ich sehe mir die Frau genau an. Der fast transparente Stoff \u00fcber ihren Haaren, die scheinbar fehlenden Augenbrauen und ihr Arm auf der Lehne. Sie sieht mich an und l\u00e4chelt. Und es l\u00f6st \u00fcberhaupt nichts in mir aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist \u00fcberraschend klein, das Gem\u00e4lde. Nett, keine Frage, aber mehr irgendwie auch nicht. Die Leute neben mir schie\u00dfen Fotos, manche haben die Kopfh\u00f6rer des Audio-Guides auf und machen ziemlich schnell Platz f\u00fcr andere. Ich bleibe noch ein wenig l\u00e4nger, dann trete ich einen Schritt zur\u00fcck und sofort r\u00fcckt jemand nach.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Rest des Tages sehe ich mir franz\u00f6sische Gem\u00e4lde, griechische B\u00fcsten, r\u00f6mische Statuen und \u00e4gyptische Inschriften an und je sp\u00e4ter es ist, desto gr\u00f6\u00dfer wird der Pulk um die Mona Lisa. Kurz bevor das Museum schlie\u00dft, stehe ich wieder bei ihr, diesmal seitlich und weiter hinten. Sie sieht immer noch mich an und l\u00e4chelt. Ich nicke ihr zu, dann ziehe ich das Notizbuch aus der Tasche und streiche Lisas Zeile durch.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich f\u00fchle mich nicht gro\u00df und erhaben, keine Dankbarkeit, kein erk\u00e4mpfter Sieg. Aber ich bin hier. Auf dich, Lisa. Und deinen Vater.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Spoilerwarnung: Alternative und gel\u00f6schte Szenen werden viel \u00fcber den Inhalt des Buches verraten. Am besten also erst weiterlesen, wenn ihr das Buch gelesen habt. Ich werde hier immer wieder neues Material hinzuf\u00fcgen. Schaut also immer wieder vorbei. 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