{"id":6835,"date":"2019-10-14T12:56:01","date_gmt":"2019-10-14T11:56:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mokita.de\/blog\/?p=6835"},"modified":"2019-10-14T12:56:01","modified_gmt":"2019-10-14T11:56:01","slug":"du-auch-ja","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mokita.de\/blog\/2019\/10\/14\/du-auch-ja\/","title":{"rendered":"Du auch, ja?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jakob ist tot. Jakob war ein Freund meines Vaters und hei\u00dft nur f\u00fcr diesen Text so. Er war nur etwa 15 Jahre \u00e4lter als ich und hatte schon immer nicht so viel Gl\u00fcck, was das Soziale, die Arbeit oder das Leben anging. Aber die Musik! Dar\u00fcber lernten mein Vater und er sich kennen, sie spielten bei uns im Musikzimmer.<br \/>Manchmal kam er, auch wenn mein Vater nicht da war. In seiner Mietwohnung konnte er nicht so laut sein wie bei uns im Haus. Dann sagte er kurz Hallo und wir redeten oberfl\u00e4chlich, aber nett, bevor er nach unten ging. Jakob hatte psychische und physische Probleme, die ihn begleiteten, solange ich ihn kannte.<br \/>Dann schrieb mein Vater Mittags in der Familiengruppe, dass Jakob gestorben sei, mehr wisse er nicht. Abends kam ich vorbei, die letzte Station einer l\u00e4ngeren Reise, bevor es f\u00fcr mich nach Hause ging. Ich umarmte meinen Vater zur Begr\u00fc\u00dfung, hielt ihn ein wenig fester als sonst und sagte, es tut mir so leid. Mein Vater, den ich wirklich selten habe weinen sehen, verkrampfte sich und schob mich weg. Schon okay, sagte er, drehte sich um und ging in die K\u00fcche. Ich hinterher, mit Abstand und Pause. Wei\u00dft du denn schon mehr?<br \/>Nein, sagte er, ich rief an und sein Bruder war am Telefon. Sie wissen auch nicht mehr.<br \/>Wieder Schweigen, dann fragte er, wie die Reise war und f\u00fcr etwa eine Stunde redeten und lachten wir, fast so wie wir es immer taten. Nur, dass er manchmal stockte und sagte, Entschuldigung, ich bin ein bisschen traurig. Ich nickte dann immer, verst\u00e4ndlich. Soll ich dich in Ruhe lassen? Aber er sch\u00fcttelte den Kopf und wir redeten und lachten weiter.<br \/>Nach einer knappen Stunde suchte ich mir einen Zug und fragte, ob es okay ist, wenn ich den nehme. Oder soll ich noch dableiben? Er sch\u00fcttelte nachdenklich den Kopf, alles Okay, ich muss das erstmal verarbeiten.<br \/>Aber w\u00e4hrend ich meine Schuhe anzog, stand er pl\u00f6tzlich auf der Treppe, meinte, ich begleite dich zum Bahnhof. ich sagte, wenn wir stramm laufen, dann gern. Wenn ich schnell laufe, brauche ich normalerweise 16 Minuten, wir hatten noch 18. Mein Vater nickte und wir liefen los und waren kaum aus dem Haus, als er begann.<br \/>Ich rief an, weil ich eine Woche nichts von ihm geh\u00f6rt habe. Und dann war sein Bruder dran, was mich schon \u00fcberrascht hat. Und er sagte mir, Jakob sei verstorben, wohl irgendwann am Wochenende. Sie wissen noch nicht woran, aber sie halten mich auf dem Laufenden.<br \/>Irgendwann sage ich, das f\u00fchlt sich f\u00fcr mich alles nach Selbstmord an. Mein Vater nickt, ja. Aber er hatte mir versprochen, das nicht zu tun.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">16 Minuten sp\u00e4ter sind wir am Bahnhof, haben in der Zwischenzeit \u00fcber Jakob und sein Leben geredet und dann kommt der Zug. Wir umarmen uns und ich sage in der Umarmung, Papa, wenn was ist, dann melde dich. Er nickt und sagt, du auch, ja?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jakob ist tot. Jakob war ein Freund meines Vaters und hei\u00dft nur f\u00fcr diesen Text so. Er war nur etwa 15 Jahre \u00e4lter als ich und hatte schon immer nicht so viel Gl\u00fcck, was das Soziale, die Arbeit oder das Leben anging. Aber die Musik! 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