{"id":6782,"date":"2019-08-12T10:30:32","date_gmt":"2019-08-12T09:30:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mokita.de\/blog\/?p=6782"},"modified":"2019-08-12T10:30:32","modified_gmt":"2019-08-12T09:30:32","slug":"die-barmer-und-das-glueck-in-der-hand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mokita.de\/blog\/2019\/08\/12\/die-barmer-und-das-glueck-in-der-hand\/","title":{"rendered":"Die Barmer und das Gl\u00fcck in der Hand"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-embed-facebook wp-block-embed is-type-rich is-provider-facebook\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\nhttps:\/\/www.facebook.com\/meinebarmer\/photos\/a.165140450201281\/2289623777752927\/?type=3&#038;theater\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Ich bin nicht bei der Barmer, aber mag den Post. Weil ich glaube, dass wir mehr \u00fcber Masturbation reden (k\u00f6nnen) sollten. Mich treibt das Thema schon eine Weile um und ich schrieb mal einen Vortrag dr\u00fcber, den ich bis heute so nicht halten konnte. Hier ist der Text. Viel Spa\u00df.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hand hoch, wer von euch Masturbiert?<br \/>(Falls wenige: Statistiken sagen, dass 85 bis 95 % es tun, also entweder seid ihr als Gruppe eine Anomalie oder ihr l\u00fcgt)<br \/>In diesem Fall, hallo ihr Wichser. H\u00f6rt sich komisch an, nicht? Und das ist Teil des Problems. Seit Monaten trage ich dieses Thema mit mir rum und ich nenne es das Gl\u00fcck in der Hand. Vor kurzem hatten wir es bei der Arbeit davon und eine Kollegin fragte mich, wann ich denn das letzte Mal masturbiert h\u00e4tte und ich sagte, heute morgen, unter der Dusche. Und sie sagte, ach, schade, daf\u00fcr hatte ich heute morgen keine Zeit. Ich glaube, dass wir so offen mit Selbstbefriedigung umgehen k\u00f6nnen sollten. Hier kommt n\u00e4mlich der Kniff: Das ist kein Alltag und selbst ich f\u00fchle mich komisch bei solchen Gespr\u00e4chen.<br \/>Wir tun so, als sei sich einen oder eine runterzuholen schon l\u00e4ngst enttabuisiert. Intellektuell wird das Thema regelm\u00e4\u00dfig durch die Zeitungen und Portale gereicht und wir sind ach so offen, was die Selbstbefriedigung angeht.<br \/>Sind wir eben nicht. Weil es im Intellektuellen bleibt und nicht Teil unseres Alltags ist. Wir haben verstanden, dass Masturbation nicht schlimm ist, weder blind macht noch das R\u00fcckenmark aussaugt. Aber wir k\u00f6nnen nicht akzeptieren, dass es allt\u00e4glich und sogar gut f\u00fcr uns ist. Uns uns selbst bewusster macht und Prostatakrebsrisiko und Blasenentz\u00fcndungen verringern, unter anderem.<br \/>Der Wichser bleibt ein Schimpfwort. Uns ist es peinlicher, beim Masturbieren erwischt zu werden, als beim Sex. Es gibt einen <a href=\"https:\/\/www.stern.de\/neon\/herz\/liebe-sex\/nachhilfe-fuer-frauen-an-der-bielefelder-uni---moeseale-ejakulation--7961292.html\">gro\u00dfen Skandal<\/a>, wenn an der Uni Bielefeld der theoretisch praktische Kurs \u201aM\u00f6seale Ejakulation\u2018 angeboten wird. Und ob \u201aeine Wichsvorlage sein\u2018 ein Kompliment ist, h\u00e4ngt davon ab, wer sich uns vorstellt.<br \/>Was sind wir f\u00fcr eine Gesellschaft, in der wir fast alle Solo-Sex haben, es gleichzeitig aber schambehaftet ist? In der wir es jeder und jedem sich selbst \u00fcberlassen, sich und seine Vorlieben kennenzulernen. Wie soll ein Miteinander funktionieren, wenn wir nicht dar\u00fcber reden, wie das Alleine klappt?<br \/>Ich glaube, das Schweigen \u00fcber Masturbation ist der Gipfel eines ganzen Berges von Problemen wie Pornosucht, verschobenes Frauenbild, Emanzipation und vielem mehr. In einer Welt, in der Pornos noch vor dem ersten Kuss verf\u00fcgbar sind, m\u00fcssen wir offener dar\u00fcber reden k\u00f6nnen, wie wir uns und unseren K\u00f6rper kennenlernen, m\u00fcssen wir die Unterschiede zwischen Lustfantasie und Alltagsliebe klarer machen, anstatt fast jeden Menschen jahrelang mit sich und seinen Trieben im Unsicheren zu lassen, bis er versteht, dass er nicht alleine, nicht abnormal, nicht \u201afalsch\u2018 ist.<br \/>Ich glaube noch nichtmal, dass wir durch einen offeneren Dialog \u00fcber Masturbation die oben genannten Dinge l\u00f6sen k\u00f6nnen. Ich glaube auch nicht, dass jeder unbedingt masturbieren muss, ist jedem vollkommen freigestellt. Und ich glaube nicht, dass wir unbedingt \u00fcber Masturbation reden m\u00fcssen. Ich muss im B\u00fcro oder in der Uni nicht lautstark verk\u00fcnden, dass mir gerade alles zu stressig ist und ich mir deshalb jetzt einen runterholen gehe. Je nach Studie machen das \u00fcbrigens 40% aller Arbeitnehmer. Es baut tats\u00e4chlich Stress ab und macht produktiver. Ich muss nicht dr\u00fcber reden. Aber ich will zumindest die M\u00f6glichkeit haben.<br \/>Vielleicht finden wir \u00fcber eine praktische, ganz allt\u00e4gliche Offenheit, ganz unabh\u00e4ngig von Intellekt und rei\u00dferischen Headlines, einen anderen Weg, unsere Beziehungen \u2013 M\u00e4nner zu Frauen, Individuum zu Individuum, aber vor allem zu uns selbst \u2013 neu zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit ich verst\u00e4rkt mit Leuten \u00fcber dieses Thema rede, bekomme ich alle m\u00f6glichen Reaktionen, von Scham und Schweigen \u00fcber Neugierde und Begeisterung bis hin zur Ablehnung, weil das ja schon durch sei, seit den 68ern. Aber gleichzeitig habe ich in diesen letzten Monaten \u00fcber Masturbation, \u00fcber Sex und Beziehungen, \u00fcber Respekt und \u00fcber mich selbst mehr gelernt, als in den 20 Jahren Praxis davor.<br \/>Und das ist doch, in jedem Sinn, ganz sch\u00f6n geil, oder?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin nicht bei der Barmer, aber mag den Post. Weil ich glaube, dass wir mehr \u00fcber Masturbation reden (k\u00f6nnen) sollten. Mich treibt das Thema schon eine Weile um und ich schrieb mal einen Vortrag dr\u00fcber, den ich bis heute so nicht halten konnte. Hier ist der Text. Viel Spa\u00df. 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