{"id":5224,"date":"2015-06-15T14:18:18","date_gmt":"2015-06-15T13:18:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mokita.de\/blog\/?p=5224"},"modified":"2015-06-15T14:18:18","modified_gmt":"2015-06-15T13:18:18","slug":"der-richtige-zeitpunkt-um-mit-dem-helfen-aufzuhoeren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mokita.de\/blog\/2015\/06\/15\/der-richtige-zeitpunkt-um-mit-dem-helfen-aufzuhoeren\/","title":{"rendered":"Der richtige Zeitpunkt, um mit dem Helfen aufzuh\u00f6ren."},"content":{"rendered":"<p>Nach einer gewissen Zeit in einer Stadt, die sich vielleicht danach richtet, wie lange man zuvor schon in St\u00e4dten gewohnt hat, was bei mir pers\u00f6nlich wirklich nicht lange war, bin ich doch ein Dorfkind, wobei \u201eDorf\u201c ein Euphemismus f\u00fcr eine Gemeinde von 12000 Einwohnern ist, hat man den Dreh raus, wie man fremde Menschen, die einen auf der Stra\u00dfe ansprechen, effizient umgehen kann. Oder besser noch: Wie man auf sie reagiert. Meine in knapp zehnjahrelanger Beobachtung Stuttgarter Menschen entwickelte Formel lautet: Je st\u00e4dtischer, desto ignoranter.<br \/>\nVielleicht habe ich aber tats\u00e4chlich noch nicht lange genug in einer Stadt gelebt, deshalb lasse ich mich immer wieder auf Begegnungen und Gespr\u00e4che ein. Wobei ich mittlerweile auch Strategien fahre. Sobald also jemand mit dem Logo egal welcher Tierrechts- \/ Umwelt- \/ Wasauchimmerorganisation auf mich zukommt und eine dieser Fragen fragt, wie: \u201eSie lieben doch bestimmt Tiere \/ die Weltmeere \/ den Regenwald \/ Wasauchimmer?\u201c, die man ja eigentlich nicht anders als mit \u201eJa\u201c beantworten kann, als ob man den Zweck der rhetorischen Fragen nicht schon selbst f\u00fcr sich entdeckt hat, und damit den ersten Schritt innerhalb der Ja-Schiene (Eine \u201epsychologische\u201c Methode, die oft auch bei Telefonwerbung und von Handelsvertretern genutzt wird: Man stellt mehrere Fragen, deren Antwort unweigerlich \u201eJa\u201c ist, wodurch das Hirn sich auf das \u201eJa\u201c sagen einstellt und dann auch bei weiteren Fragen eher \u201eJa\u201c sagt, als nein. Oft wird daf\u00fcr eine \u201e\u00dcberpr\u00fcfung der vorliegenden Daten\u201c hergezogen, oder eben oben genannte rhetorische Fragen.) gemacht hat, sage ich, \u201ePass auf: Wir k\u00f6nnen uns gern hier hin stellen und ich verspreche dir, wir werden uns gut unterhalten und wir werden eine gute Zeit haben, aber du wirst von mir keine Unterschrift und kein Geld sehen.\u201c Was selten darin endet, dass wir uns unterhalten, was aber auch schon vorgekommen ist und meist interessante Erinnerungen gepr\u00e4gt hat, sondern fast immer darin m\u00fcndet, dass wir uns verabschieden und ich weiter gehe. Und trotzdem passiert manchmal, was also in dieser Nacht passiert ist:<\/p>\n<p>Es ist kurz vor Mitternacht, ich bin auf dem Weg nach Hause, zu Fu\u00df, weil eine Fahrt durch den Regen mit dem Fahrrad nicht so angenehm gewesen w\u00e4re. Ich laufe gerne und z\u00fcgig und kann meine Zeitdauer zwischen zwei beliebigen Punkten in Stuttgart ziemlich gut absch\u00e4tzen. Und dann steht da pl\u00f6tzlich einer und sagt, \u201eNtschuldiguh, kadu mia san woi die Heiamee fi?\u201c<br \/>\nEr ist vielleicht Anfang Vierzig, die sichtbare Haut auf den Armen und im Gesicht ist gebr\u00e4unt, verdreckt, zerfurcht und verwittert, wie die Holzbalken einer windschiefen Scheune, um die sich lange schon keiner mehr gek\u00fcmmert hat, die aber unglaublich gut aussieht, wenn man sie mit Instagram-Filtern fotografiert. Die Haare sind \u00f6lig und d\u00fcnn und stehen vom Kopf ab, wie bei Jack Nicholson in einigen seiner besten Filme. Das rechte Auge ist ein wenig tr\u00fcber und schafft es auch nicht, mich zu fokussieren. Und wenn er den Mund aufmacht, sieht es so aus, als ob er nur noch die Z\u00e4hne auf der rechten Seite hat und die auch bald nicht mehr da sind. Das blaue Polo-Hemd spannt sich \u00fcber den volumin\u00f6sen Bauch und ist in den Bund der Hose gesteckt, die aussieht, wie der letzte Rest eines ehemals vollst\u00e4ndigen dunkelgrauen Anzugs. In seiner Hand h\u00e4lt er eine ziemlich leere, bedruckte Jutetasche. Und er muss alles mindestens zweimal sagen, weil ich ihn unglaublich schlecht verstehe. Als ob die Kiefer sich nicht trauen, sich zu n\u00e4hern, redet er mit immer offenem Mund, der sich keinerlei M\u00fche gibt, verst\u00e4ndlich zu sein.<br \/>\nNachdem er seine Frage wiederholt, frage ich \u201eHeilsarmee?\u201c und er nickt, \u201eJa da kai heue Nach schlafn wo isie?\u201c<br \/>\nIch kenne die Heilsarmee nur aus B\u00fcchern und Filmen und ich wei\u00df, dass auf dem Weg zu mir nach Hause dieses eine Geb\u00e4ude steht, an dem der Schriftzug \u201eHeilsarmee\u201c angebracht ist. Also zeige ich den Berg nach oben und sage, \u201eDie Heilsarmee ist dort oben, erst die Stra\u00dfe bis zu der gro\u00dfen Kreuzung, dann rechts hoch.\u201c<br \/>\nEr sieht meiner Hand nach, \u201eWiewei?\u201c<br \/>\nIch denke in meiner Geschwindigkeit, \u201eNaja, vielleicht so zehn Minuten?\u201c<br \/>\nEr sieht mich an und diesem Moment bekommt er einen leidenden Gesichtsausdruck, die Schultern sacken noch ein wenig mehr nach unten, \u201eDie Poizei ha gsa es is nich so wei die ham gsa is glei hia kanns du mi bring?\u201c<br \/>\n\u201eDie Polizei hat dich dort hingeschickt?\u201c<br \/>\nEr nickt, \u201eJa, da kai heue Nach schlafn bring du mi? Biee!\u201c<br \/>\n\u201eBist du nicht aus Stuttgart?\u201c Er sch\u00fcttelt den Kopf, \u201eNei bi aus Kasruu, wei ni woi hinso di hamia die Wohung gek\u00fcich un imu iaendwo schlafn! Hifs du mia biee!\u201c<\/p>\n<p>Ich wollte nicht. Ich wollte \u201eNee, Sorry.\u201c sagen und gehen. Und dann dachte ich, was soll das? Es liegt bei dir auf dem Weg, in zehn Minuten seid ihr dort. Du lieferst ihn ab und dann gehst du weiter.<br \/>\n\u201eUnd die haben jetzt noch offen?\u201c Er nickt, \u201eJaja, di gae Nacham die offn.\u201c<\/p>\n<p>Was solls. Ich nicke mit dem Kopf in die Richtung, ein, Komm wir gehen, das er auch sofort versteht und neben mir her l\u00e4uft. Irgendwas scheint auch mit seiner H\u00fcfte nicht zu stimmen, einen Fu\u00df setzt er sehr weit au\u00dfen auf, dadurch bekommt sein Gang ein torkelndes Bild. Ich laufe daneben, die H\u00e4nde in den Taschen und vielleicht einen Meter entfernt. Es gibt eigentlich keinen Moment der Ruhe, sobald wir loslaufen, beginnt er zu sprechen, wobei es mir wirklich schwer f\u00e4llt, ihm zu folgen, zumal er oft einfach nur wiederholt, was er mir schon gesagt hat: Keine Wohnung, kein Platz zum Schlafen, Polizei sagt Heilsarmee.<br \/>\nKeine Minute sp\u00e4ter hebt er die Hand und bleibt stehen, \u201eNich so schnell, ikannichabs am Herz, weiu?\u201c<br \/>\nDabei greift er sich an die Brust und atmet tief prustend ein und aus. Dann sieht er mich wieder an, \u201eIsno wei?\u201c<br \/>\nIch drehe mich kurz um, wir haben vielleicht 20 Meter geschafft. Das werden wohl l\u00e4ngere Zehn Minuten.<br \/>\n\u201eJa, wir m\u00fcssen schon noch eine Weile laufen.\u201c<br \/>\nEr sieht den Berg hinauf, dann streckt er mir die Hand hin, \u201eIbi dea Roer.\u201c<br \/>\nH\u00f6flicher und wohlerzogener Mensch, der ich bin, sch\u00fcttele ich die Hand. Blo\u00df nicht wieder in die Tasche stecken. \u201eHallo Robert.\u201c \u201eUn wie heissu?\u201c<br \/>\nIch wei\u00df nicht warum, aber ich muss an meinen Religionsunterricht denken, irgendwann vor 10 bis 20 Jahren, als es darum geht, warum Gott nicht seinen Namen nennt, sondern sich als Jahwe beschreibt: Ich bin, der ich bin. Wenn du jemandes Namen kennst, dann hast du Macht \u00fcber ihn. Und trotzdem sage ich die Wahrheit, \u201eFabian.\u201c<br \/>\nDann gehen wir weiter.<br \/>\nWir werden statt meiner zehn Minuten knapp zwei Stunden brauchen. Jede Minute verschnauft Robert (\u201eI ka niso schne, mei Herz!\u201c), alle drei Minuten fragt er, wie weit es noch ist (\u201eIsno wei?\u201c) und nach vielleicht zwanzig Minuten legt Robert eine Pinkelpause ein, \u201eMome, imuss pissn.\u201c<br \/>\nEr dr\u00fcckt mir den Jutebeutel in die Hand, den ich an der hellsten Stelle mit zwei Fingern greife, dann stellt er sich neben der selbst Nachts viel befahrenen Stra\u00dfe an die viereckige S\u00e4ule eines Luxusladens f\u00fcr Herrenanz\u00fcge. Er lehnt mit dem Kopf nach vorne gegen die Wand, ich wende mich ab. Dann, \u201eFaia, ikriedie Hos nich au, hiif mia!\u201c<br \/>\nEr wankt mit beiden H\u00e4nden am Hosenknopf auf mich zu, aber ich weiche nach hinten zur\u00fcck, \u201eAuf keinen Fall!\u201c<br \/>\nDaraufhin bekommt er einen verkniffenen Gesichtsausdruck und ich erwarte schon, dass sich die Hose im Schritt dunkel f\u00e4rbt, dann grinst er pl\u00f6tzlich erleichtert, \u201eHabs!\u201c, und stellt sich wieder an die S\u00e4ule. Trotz des Kopfman\u00f6vers trifft er mehr seine Schuhe. Als er fertig ist, nimmt er seinen Jutebeutel und bevor ich reagieren kann h\u00e4ngt er sich mit der Hand an meinen Arm, wie es eine Dame bei einem Gentleman tut und greift mein Handgelenk. Ein erstaunlich fester Griff, denke ich und sp\u00fcre ich warme Haut seines Arms an meinem. Ich halte den Arm in so einem Winkel, dass ich Robert st\u00fctzen kann, ihn aber gleichzeitig ein wenig vom Rest meines K\u00f6rper fern halte. So trotten wir weiter. Er redet (\u201eFaia, bissu mei Freu? Ab jess sinwia Freue, das n\u00e4chse Mal, wewirunssee, geb ichdia eiaus.\u201c) und fragt jeden, der vorbeikommt nach Zigaretten (\u201eKollee, hassu ne Ziarette f\u00fcmich?\u201c), ein Satz, der erstaunlich klar aus seinem Mund kommt, ihm aber trotzdem keine Zigarette bringt. Alle paar Meter setzt er sich auf alles, was einigerma\u00dfen besitzbar ist, erz\u00e4hlt weiter (\u201eIhanix, kei Schlasack, keie Uerhos, kei Hem, nur eie anere Hoe.\u201c) und verschnauft. Dann pl\u00f6tzlich stockt er, sieht den leeren Weg entlang und meint, \u201eWeakommda? Kommdeaaumissu?\u201c<br \/>\nIch sehe niemanden in unmittelbarer N\u00e4he, etwa f\u00fcnfzig Meter weiter sitzen ein paar Leute, aber wir brauchen noch eine Weile, bis wir bei ihnen sein werden. Also sage ich, \u201eDa ist niemand.\u201c Aber er streckt den Arm aus, \u201eHia vorn!\u201c<br \/>\nDann guckt er genauer und fragt, \u201eIsdasn M\u00fclleia?\u201c<br \/>\n\u201eJa, das ist ein M\u00fclleimer.\u201c<br \/>\nEr reisst die Arme hoch, \u201eIsee nix! Ihan grauer Sta!\u201c, und zeigt auf das tr\u00fcbe Auge. Dann greift er sich meinen Arm und wir ziehen weiter, bis wir wirklich an die Leute kommen. Vier Jungs, eine Frau, es ist Freitagabend und sie haben ihre Biere und einer zieht just in dem Moment Tabak aus der Tasche, als \u201eKollee, hassu ne Ziarette f\u00fcmich?\u201c.<br \/>\nUnd dann kommt der Kniff. Ich sehe ihm an, dass er verneinen will, dann sieht er mich an. Ich halte mich raus, das ist nicht meine Sache. In diesem kurzem Moment f\u00e4llt mir auf, das Robert mich noch gar nicht nach Tabak gefragt hat. Oder ich die Frage \u00fcberh\u00f6rt habe. Dann sagt der Mann. \u201eNur Tabak zu drehen.\u201c<br \/>\nUnd der n\u00e4chste, er steht neben mir, knapp einen Kopf gr\u00f6\u00dfer, weil er auf einem Skateboard steht, \u201eSoll ich dir eine drehen?\u201c<br \/>\nUnd Robert sagt, \u201eJa, Faia, imumi setzn.\u201c<br \/>\nUnd er setzt sich neben die Frau die leicht irritiert, aber zugleich am\u00fcsiert drein blickt. Robert beginnt zu reden, den Kopf h\u00e4ngend zwischen den Schultern, die Unterarme auf die Schenkel gest\u00fctzt, erz\u00e4hlt von der Heilsarmee, seiner Operation am Herz und dass er keine Wohnung mehr hat. Aber niemand versteht ihn. Sie sehen mich an und ich winke ab. Ist nicht wichtig. Er hat mich, ich h\u00f6re zu. W\u00e4hrend er die Zigarette dreht, fragt mich der Kerl, \u201eWohin geht\u2019s?\u201c<br \/>\n\u201eZur Heilsarmee, einen Schlafplatz f\u00fcr ihn finden.\u201c<br \/>\nEr zeigt den Berg nach oben, \u201eDie ist ja gleich da oben.\u201c<br \/>\nIch lache auf, \u201eJa, ein Gl\u00fcck.\u201c<br \/>\n\u201eArbeitest du dort?\u201c<br \/>\n\u201eNein, ich bin nur zuf\u00e4llig vorbeigekommen. Eigentlich wollte ich heute fr\u00fch zu hause sein.\u201c<br \/>\nAlle vier lachen und Robert unterbricht seinen Redefluss f\u00fcr einen Moment. Dann lacht er mit. Der Mann streckt ihm die Zigarette hin, \u201eHier bitte sehr.\u201c<br \/>\nRobert erhebt sich kurz, \u201eDaee.\u201c<br \/>\nIch will weiter, aber Robert sitzt schon wieder. \u201eFaia, ikani laue un rauche. Feua?\u201c<br \/>\nDer Mann grinst und z\u00fcndet ihm die Zigarette an. Robert zieht und redet zwischendurch. Wir h\u00f6ren manchmal zu und sehen uns fast verschw\u00f6rerisch an. Wir kennen uns nicht, aber in diesem Moment geh\u00f6ren wir zu einer Gruppe. Dann schnippt Robert den Rest der Kippe achtlos auf den Weg und erhebt sich. Ich will mich verabschieden, als \u201eKai en Schluck Bia ham?\u201c.<br \/>\nDer Mann sieht auf seine vielleicht noch zu einem Drittel gef\u00fcllte Flasche und verzieht das Gesicht. So muss ich vorher ausgesehen haben, als Robert mich gefragt hat, ob ich ihn begleite. Dann nimmt er noch einen gro\u00dfen Schluck und h\u00e4lt Robert die Flasche hin, \u201eKannst den Rest behalten.\u201c<br \/>\nAber Robert trinkt einen Schluck und grinst f\u00fcr einen kurzen Moment und sch\u00fcttelt den Kopf, \u201eNene, Bia und Heisaee gee nich.\u201c<br \/>\nAls er danach die Flasche im hohen Bogen ins Grass schleudert, sodass der Rest aus der Flasche sch\u00e4umt, blitzt f\u00fcr einen Moment hinter der Fassade ein des armen Bed\u00fcrftigen ein anderer Mensch hervor. Dann packt er meinen Arm und wir wanken weiter. Mit der freien Hand winke ich den Leuten nach, sie winken zur\u00fcck. Normalerweise w\u00e4re ich wahrscheinlich eine Stunde fr\u00fcher einfach an ihnen vorbeigelaufen, wenn da nicht Robert gewesen w\u00e4re.<br \/>\nEs dauert nochmal eine Dreiviertelstunde, in der er immer penetranter fragt, wie lange wir noch brauchen. Bis wir dann endlich vor den verschlossenen T\u00fcren der Heilsarmee stehen. Aber nat\u00fcrlich. Also gehen wir in den Hinterhof. Dort an der T\u00fcr ist eine gro\u00dfe Klingel einer Familie, die das Logo der Heilsarmee auf dem Schild hat.<br \/>\nWenn ich einen Rat geben darf: Nicht in ein Haus ziehen, in der eine Institution wie die Heilsarmee untergebracht ist. Denn Robert erwischt nie nur die richtiger Klingel. Wir haben mittlerweile fast zwei Uhr Nachts und w\u00e4hrend ich einem Nachbar am Balkon die Situation erkl\u00e4re, unterh\u00e4lt sich Robert mit einer sehr freundlichen Dame an der Sprechanlage. Robert erz\u00e4hlt, was er den ganzen Abend schon erz\u00e4hlt, aber die Dame sagt, was ich mir gedacht habe.<br \/>\nHier ist kein M\u00e4nnerwohnheim und selbst das hat um die Zeit schon geschlossen und sie kann ihm f\u00fcr diese Nacht nicht helfen. Was ich hier in einem Satz zusammenfassen kann, dauert in Wirklichkeit eine Viertelstunde und wird unz\u00e4hlige Male wiederholt, bis Robert aufgibt.<br \/>\nW\u00e4hrenddessen stehe ich hinter Robert und denke, jetzt isrt der Moment, in dem du gehen solltest. Denn wenn das nicht klappt, und nat\u00fcrlich wird es nicht klappen, dann hast du ein Problem. Wohin bringst du dann Robert? Und was glaubst du, warum er sich vorher vergewissert hat, dass du sein Freund bist? Was glaubst du, warum er vorher gefragt hat, ob du auch in der Gegend wohnst? Geh schon, Fabian! Geh!<br \/>\nAber wann ist der richtige Moment, um mit dem helfen aufzuh\u00f6ren? Wann hast du danach kein schlechtes Gewissen?<br \/>\nAls dann das gr\u00fcne Licht der Gegensprechanlage erlischt und Robert sich umdreht, stehe ich immer noch da.<br \/>\n\u201eUnd was jetzt?\u201c<br \/>\n\u201eFaia, wo isdi n\u00e4chse Bahn, imusssum Baof.\u201c<br \/>\nIch zeige den Berg hoch, \u201eDort oben. Aber ich muss in die andere Richtung. Das schaffst du alleine.\u201c<br \/>\nAber er hat den Ausdruck, den ich an diesem Abend schon ein paar Mal gesehen habe, den perfekt gesetzten Moment, wie auch kleine Hunde ihn schaffen k\u00f6nnen, um Mitleid zu erregen, \u201eFaia, ibi so schwai pack dasnich! Faia biee!\u201c<br \/>\nAlso bringe ich ihn zur Station, bis vor die Treppen, \u201eDas schaffst du alleine, du musst nur noch die Treppe runter.\u201c<br \/>\nDann kommt das Gesicht und, \u201eFaia, dumus mihaln, ikakeie Trepn!\u201c<br \/>\nAlso lasse ich meinen Arm packen und bringe ihn die Stufen runter. Er stolpert sogar, \u201eSiesuu, Faia? Ibraudi!\u201c<br \/>\nUnd ich kann mir denken was als n\u00e4chstes passiert, denn ich habe keine Ahnung, wann der Moment kommt, wo ich gehen soll. Oder ob ich ihn schon lange verpasst habe. Dann kommen die Rolltreppen hinunter zur Station und Robert stellt sich drauf, erstaunlich sicher steht er dort und f\u00e4hrt hinunter, \u201eFaia, ko!\u201c<br \/>\nIch bleibe oben stehen und hebe die Hand und wir beide merken, dass es jetzt vorbei ist. Da grinst er wieder f\u00fcr diesen kurzen Moment und sagt, \u201eTsch\u00fcss, Fabian!\u201c<br \/>\nUnd dann ist er verschwunden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach einer gewissen Zeit in einer Stadt, die sich vielleicht danach richtet, wie lange man zuvor schon in St\u00e4dten gewohnt hat, was bei mir pers\u00f6nlich wirklich nicht lange war, bin ich doch ein Dorfkind, wobei \u201eDorf\u201c ein Euphemismus f\u00fcr eine Gemeinde von 12000 Einwohnern ist, hat man den Dreh raus, wie man fremde Menschen, die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-5224","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-leben"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/mokita.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5224","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/mokita.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/mokita.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mokita.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mokita.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5224"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/mokita.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5224\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/mokita.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5224"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/mokita.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5224"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/mokita.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5224"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}