{"id":4969,"date":"2014-10-15T12:55:57","date_gmt":"2014-10-15T11:55:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mokita.de\/blog\/?p=4969"},"modified":"2014-10-15T12:55:57","modified_gmt":"2014-10-15T11:55:57","slug":"roman-mausmakis-blaue-pumas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mokita.de\/blog\/2014\/10\/15\/roman-mausmakis-blaue-pumas\/","title":{"rendered":"Roman: Mausmakis blaue Pumas"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter lazyload\" data-src=\"http:\/\/s14.directupload.net\/images\/141010\/gyhzdqf9.jpg\" alt=\"\" width=\"1456\" height=\"1456\" src=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB3aWR0aD0iMSIgaGVpZ2h0PSIxIiB4bWxucz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmciPjwvc3ZnPg==\" style=\"--smush-placeholder-width: 1456px; --smush-placeholder-aspect-ratio: 1456\/1456;\" \/><\/p>\n<p>Der erste Satz aus <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3862652068\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3862652068&amp;linkCode=as2&amp;tag=mokita-21&amp;linkId=RTNJBEHSM7NPZZOW\">Mausmakis blaue Pumas<\/a><img decoding=\"async\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" src=\"http:\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=mokita-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3862652068\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" \/>:<\/p>\n<blockquote><p>Pssssst!<\/p><\/blockquote>\n<p>Dies ist die Geschichte von Emma, einem bulimiekranken M\u00e4dchen, dass die Welt nicht ohne ihre Drogen ertr\u00e4gt. Eigentlich ist es auch nicht ihre ganze Geschichte, sondern ein Zeitraum von einem verl\u00e4ngerten Wochenende, in das\u00a0immer wieder R\u00fcckblicke in die Kindheit und Jugend von Emma geworfen werden. Es beginnt also in einem Club, beim Ficken auf dem Klo mit einem Fremden und wechselt schnell auf den Parkplatz, wo Emma versucht, ungest\u00f6rt zu kotzen. Klappt aber nicht, denn da steht pl\u00f6tzlich dieser Typ mit einem Schild. Emma liest das Schuld und erschrickt unglaublich. Der Satz auf dem Schild bringt sie dazu, ihr gesamtes Leben zu \u00fcberdenken. Also schreibt sie ihre Lebensgeschichte auf, an diesem Wochenende, zwischen Drogen, Kotzen, Technomusik, Menschen, Angst, dem Versuch, zu Schlafen und noch mehr Drogen.<\/p>\n<p>Wie ihr vielleicht schon an der Erz\u00e4hlhaltung merkt, das ist \u00fcberhaupt nicht mein Buch.<\/p>\n<p><strong>1. Die Geschichte:<\/strong><\/p>\n<p>Das oben beschriebene ist \u00fcberhaupt nicht <a title=\"Asket sein. Eine Liste samt Antworten\" href=\"http:\/\/www.mokita.de\/blog\/2014\/09\/08\/asket-sein-eine-liste-samt-antworten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">meine Welt<\/a>. Aber ich habe Ber\u00fchrung damit und jemand aus der Welt gab mir das Buch mit dem Kommentar, vielleicht w\u00fcrde ich diesen Lebensstil danach besser verstehen. Ich habe es gelesen und ich verstehe diese Welt nicht besser, im Gegenteil, ich empfinde eine Mischung aus Mitleid und vollkommener Abgrenzung.<\/p>\n<p>Emma und das Leben, das sie f\u00fchrt ist nicht sympathisch. Mehr noch, ihr Leben ist einfach nicht gut. Emma f\u00fcttert die Leser mit der Anleitung zur Bulimie und verherrlicht den Gebrauch von Drogen als einigerma\u00dfen erfolgreiches Mittel, mit einer Schei\u00dfjugend zurechtzukommen. Die Sache mit dieser Jugend ist aber die: Sie ist vielleicht das Einzige mit dem man, besser gesagt ich, mich einigerma\u00dfen identifizieren k\u00f6nnte. Und deshalb kann ich umso mehr bekr\u00e4ftigen, dass diese Jugend keine Entschuldigung f\u00fcr ihren Lebensstil. Aber sie benutzt es daf\u00fcr. Und dann meckert sie also 350 Seiten, wie schlecht ihr Leben ist und wie gut es ist, dass sie sich zumindest f\u00fcr eine kurze Zeit durch Drogen in eine andere Stimmung bringen kann. Irgendwann las ich das Buch nur weiter, weil ich einerseits ungern Sachen in der Mitte abbreche (ich habe immer die unb\u00e4ndige Hoffnung, dass es noch besser wird) und andererseits, weil ich wissen wollte was auf diesem Schild vom Anfang steht. Und als es dann endlich rauskommt, war ich unendlich entt\u00e4uscht. Und als dann, nach all diesem Gerede \u00fcber die Suche nach, ja, was genau? sich eigentlich nichts \u00e4ndert, war&#8217;s vorbei. Also, die Geschichte und der Inhalt und die Einstellung zum Leben haben mir \u00fcberhaupt nicht gefallen.<\/p>\n<p><strong>2. Die Schreibe:<\/strong><\/p>\n<p>Ich komme auf die Schreibe von <a href=\"http:\/\/mareilekurtz.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mareile Kurtz<\/a> nicht klar. Komische gestelzte S\u00e4tze, als m\u00fcsse sie dem Leser beweisen, wie klug die Autorin ist. Und die Dialoge! Eine Lektorin sagte mir mal, dass auch Dialoge in Romanen keine Abbildung der Wirklichkeit sind, sondern Fiktion. Es ist die Illusion von Nat\u00fcrlichkeit. Wenn man tats\u00e4chliche Dialoge wiedergeben w\u00fcrde, dann w\u00e4ren das ganz sch\u00f6n viele verst\u00fcmmelte S\u00e4tze, unz\u00e4hlige &#8222;\u00c4hms&#8220; und keinerlei Struktur. Und fast so schreibt die Mareile Kurtz ihre Dialoge.\u00a0\u00a0Auf jeder Seite gibt es Dutzende &#8222;Boah,ey!&#8220; und &#8222;Hahaha.&#8220; Ich fand&#8217;s unglaublich erm\u00fcdent und anstrengend, mich durch die DIaloge zu arbeiten, von denen ja doch sehr viele vorhanden sind. Und dann, eigentlich Teil der Schreibe, aber so schlimm, dass es einen Extrapunkt bekommt:<\/p>\n<p><strong>3. Die popkulturellen Referenzen und die Fu\u00dfnoten:<\/strong><\/p>\n<p>Da brauchen wir nicht viel dr\u00fcber reden, die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Intertextualit%C3%A4t\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Intertextualit\u00e4t<\/a> wird sein mehr als 50 Jahren\u00a0immer wieder neu definiert, aber grunds\u00e4tzlich ist allen klar: Kein Text (oder weiter gefasst: Kein k\u00fcnstlerisches Werk) steht ganz f\u00fcr sich selbst. Alles ist getr\u00e4nkt und beeinflusst durch die Texte (k\u00fcnstlerischen Werke), die der Autor (K\u00fcnstler) im Laufe seines Lebens konsumiert hat. Das ist nichts neues. \u00a0In den letzten Jahren wurde aber die Diskussion durch Plagiatsvorw\u00fcrfe, beispielsweise bei <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Axolotl_Roadkill#Plagiatsvorw.C3.BCrfe\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Helene Hegelmann<\/a>, wieder neu entfacht, wo die Grenze zwischen Zitat oder Hommage und dreistem kopieren liegt. Eine wichtige Diskussion, keine Frage. Auch Mareile Kurtz bringt sich hier durch ihr Buch ein. Mit einem Nebeneffekt, dass sich in dem Buch 347 Fu\u00dfnoten befinden, an jeder popkulturellen Referenz. Also fast eine Fu\u00dfnote pro Seite. Und jeder, der schonmal einen Text mit Fu\u00dfnoten gelesen hat, wei\u00df, wenn man die auch noch hinten nachschlagen muss, dann unterbricht das jedesmal den Lesefluss. In diesem Fall rund einmal pro Seite.\u00a0Mareile Kurtz kurz kl\u00e4rt ziemlich am Ende auf, wieso sie das macht. Aber ich muss sagen, f\u00fcr diesen kleinen Twist hat es sich f\u00fcr mich nicht gelohnt, mich fast \u00fcber jede Fu\u00dfnote zu \u00e4rgern. Denn, wenn ich die Referenz erkenne, \u00e4rgert es mich, dass ich direkt darauf hingewiesen werde, dass es eine Referenz ist und ich nicht selbst drauf kommen kann. Und wenn ich sie nicht kenne, dann muss ich nat\u00fcrlich nachschlagen, was da steht. Hei\u00dft, ich unterbreche den Lesefluss. Und jetzt geht&#8217;s ins kleinkarierte, aber wenn man sowas macht, dann richtig. Einerseits sind viele Referenzen und Anspielungen nicht mit Fu\u00dfnote versehen, andererseits sind die Fu\u00dfnoten teilweise falsch. Das geht von Schreibfehlern bis hin zu inkonsequenten Quellenangaben. Ein Beispiel, ich zitiere aus dem Buch.<\/p>\n<blockquote><p>\u00dcberm\u00fctig rei\u00dfe ich meine Zimmert\u00fcr auf, springe auf den Flur, schmei\u00dfe die Arme in die Luft und br\u00fclle: &#8222;Wei\u00df hier irgendwer noch, wie man lacht?!&#8220;<sup>283<\/sup><\/p><\/blockquote>\n<p>Unter der Fu\u00dfnote 283 findet man den Verweis auf den Film Almost Famous von Vameron Crowe und eine Szene, relativ am Anfang, in der fast der gleiche Satz gesagt wird. Aber: Camreron Crowe selbst zitiert hier schon. Das Original, soweit ich wei\u00df, ist von Led Zeppelin, Robert Plant baute diese Zeile auf englisch (Does anybody remember laughter?) in die Liveversionen von &#8222;<a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0181875\/trivia?item=tr0773495\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stairway to heaven<\/a>&#8220; ein. Und wenn man das wei\u00df und obigen Satz liest und denkt, okay, sie zitiert Led Zeppelin und dann liest man, dass sie eigentlich ein Zitat zitiert, ohne die Originalquelle zu nennen, das ist ein maues Gef\u00fchl und macht die ganze Sache unglaubw\u00fcrdig.<\/p>\n<p>Wie ich schon sagte, das liegt im Kleinkarierten, aber wenn mich eine Autorin 350 Seiten lang mit Fu\u00dfnoten nervt und ich dann auch noch sowas finde, dann muss das erw\u00e4hnt werden. Denn ihr Twist und ihr Grund, weshalb sie das macht, geht durch genau solche Kleinigkeiten kaputt.<\/p>\n<p>Wie gesagt, ich kann\u00a0<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3862652068\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3862652068&amp;linkCode=as2&amp;tag=mokita-21&amp;linkId=RTNJBEHSM7NPZZOW\">Mausmakis blaue Pumas<\/a>\u00a0nicht empfehlen. Ich komme mit den Charakteren nicht klar, mit der Lebenswelt nicht, mit der Geschichte nicht. Will ich auch gar nicht. Vielleicht gibt es Leute, die sich mit den Sehns\u00fcchten und diesen\u00a0&#8222;L\u00f6sungen&#8220; identifizieren k\u00f6nnen. Ich muss da nicht dazu geh\u00f6ren.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3862652068\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3862652068&amp;linkCode=as2&amp;tag=mokita-21&amp;linkId=RTNJBEHSM7NPZZOW\">Mausmakis blaue Pumas<\/a>\u00a0von Mareile Kurtz erschien bei Schwarzkopf &amp; Schwarzkopf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der erste Satz aus Mausmakis blaue Pumas: Pssssst! Dies ist die Geschichte von Emma, einem bulimiekranken M\u00e4dchen, dass die Welt nicht ohne ihre Drogen ertr\u00e4gt. Eigentlich ist es auch nicht ihre ganze Geschichte, sondern ein Zeitraum von einem verl\u00e4ngerten Wochenende, in das\u00a0immer wieder R\u00fcckblicke in die Kindheit und Jugend von Emma geworfen werden. 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