{"id":4906,"date":"2014-09-08T11:26:25","date_gmt":"2014-09-08T10:26:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mokita.de\/blog\/?p=4906"},"modified":"2014-09-08T11:26:25","modified_gmt":"2014-09-08T10:26:25","slug":"asket-sein-eine-liste-samt-antworten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mokita.de\/blog\/2014\/09\/08\/asket-sein-eine-liste-samt-antworten\/","title":{"rendered":"Asket sein. Eine Liste samt Antworten"},"content":{"rendered":"<p>Irgendwie versuchen wir Menschen oft, alles in Kategorien einzuordnen, um sie schneller benennen zu k\u00f6nnen. Beim Versuch, meinen Lebensstil in eine Kategorie zu fassen, komme ich immer wieder auf <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Straight_Edge\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Straight Edge<\/a>, aber das f\u00fchlt sich nicht ganz richtig an. Die w\u00f6rtliche Bedeutung, &#8222;der Vorteil des N\u00fcchtern sein&#8220;, mag ich sehr, aber in der Schublade Straight Edge sind dann aber auch so viele andere Sachen, die mir nicht taugen. Irgendwann bin ich auf den Begriff <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Askese\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Asket<\/a> gestossen:<\/p>\n<blockquote><p>[Askese] bezeichnet (&#8230;)\u00a0eine \u00dcbungspraxis im Rahmen von Selbstschulung aus religi\u00f6ser oder philosophischer Motivation. Angestrebt wird damit die Erlangung von <a title=\"Tugend\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tugend\">Tugenden<\/a> oder F\u00e4higkeiten, Selbstkontrolle und Festigung des Charakters. Der Praktizierende wird Asket (griechisch \u1f00\u03c3\u03ba\u03b7\u03c4\u03ae\u03c2 <i>ask\u0113t\u1e17s<\/i>) genannt.<\/p>\n<p>Eine asketische Schulung beinhaltet Disziplinierung sowohl hinsichtlich des Denkens und Wollens als auch hinsichtlich des Verhaltens. Dazu geh\u00f6rt einerseits \u201epositiv\u201c das beharrliche Ein\u00fcben der angestrebten Tugenden oder F\u00e4higkeiten, andererseits \u201enegativ\u201c das Vermeiden von allem, was nach der \u00dcberzeugung des Asketen der Erreichung seines Ziels im Wege steht. (&#8230;)\u00a0Die auff\u00e4lligste Auswirkung auf die Lebenspraxis besteht im freiwilligen Verzicht auf bestimmte Bequemlichkeiten und Gen\u00fcsse, die der Asket f\u00fcr hinderlich und mit seinem Lebensideal unvereinbar h\u00e4lt. Meist betrifft der Verzicht in erster Linie die Bereiche <a title=\"Genussmittel\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Genussmittel\">Genussmittel<\/a> und Sexualit\u00e4t. Hinzu kommen Ma\u00dfnahmen zur k\u00f6rperlichen und geistigen Ert\u00fcchtigung, in manchen F\u00e4llen auch \u00dcbungen im Ertragen von Schmerzen.<\/p>\n<p>Im heutigen Sprachgebrauch ist die Bedeutung der W\u00f6rter <i>Askese<\/i>, <i>asketisch<\/i> und <i>Asket<\/i> im Allgemeinen auf den Aspekt einer freiwilligen <a title=\"Abstinenz\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Abstinenz\">Enthaltsamkeit<\/a> eingeengt, die zwecks Erreichung eines als h\u00f6herwertig geltenden Ziels praktiziert wird. Dabei k\u00f6nnen religi\u00f6se oder philosophische Motive in den Hintergrund treten oder ganz entfallen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Soweit in gro\u00dfer und allgemeiner Sichtweise. Was das f\u00fcr mich pers\u00f6nlich bedeutet, kommt in folgender Liste des Verzichts. Diese Liste ist eine Momentaufnahme. Keiner, am wenigsten ich selbst, wei\u00df, wie es in Zukunft aussieht. Los geht&#8217;s:<\/p>\n<p><strong>Kein Kaffee.\u00a0<\/strong>(Seit 1986)<\/p>\n<p>Das war einfach. Kaffee hat mir einfach noch nie geschmeckt. Lustigerweise prophezeiten mir Gef\u00e4hrten in jedem meiner Lebensabschnitte, dass ich sp\u00e4testens zum Abi \/ im Zivi \/ beim Radio \/ im Studium mit dem Konsum beginne. Ich mag den Geruch ger\u00f6steter Bohnen und habe es immer wieder probiert, aber das war es dann auch. Kaffee ist mir einfach zu bitter. Und ein Mittel, um des Morgens wach zu werden, brauche ich nicht. Ich glaube, Kaffee zum Wachwerden ist langfristig ein psychologischer Effekt. Und f\u00fcr den psychologischen Effekt brauche ich den Geschmack nicht.<\/p>\n<p><strong>Keine Zigaretten.<\/strong> (Seit 1986)<\/p>\n<p>Auch dies war einfach. Keine rauchenden Eltern, ein sehr rauchfreies Umfeld in meiner Jugend. Also gab es zwei oder drei Versuche, an einer Zigarette zu ziehen, etwa im Alter von 12 bis 16, aber niemals genug, um wirklich auf den Geschmack zu kommen oder so viel cooler dadurch zu sein. Tats\u00e4chlich kann ich aber die Coolness des Rauchens nachvollziehen. Ich mag beispielsweise das Ritual von Zigarettendrehen. Auch das ziehen, halten und loslassen ist ein sch\u00f6nes Ritual. Leider schmeckt es mir aber \u00fcberhaupt nicht. Und eine geschmackvolle Variante dieser Coolness habe ich noch nicht gefunden.<\/p>\n<p>Was hier aber auch dazu geh\u00f6rt, dass ich etwa von 16 bis 20 ziemlich intensiv Wasserpfeife geraucht habe. Tats\u00e4chlich, weil auch dieses gemeinschaftliche Ritual mir sehr gut gef\u00e4llt und auch, weil es mir schmeckt. In den letzten Jahren aber hat sich der Konsum auf etwa ein Mal pro Jahr reduziert. Mehr ist auch nicht n\u00f6tig.<\/p>\n<p><strong>Kein Alkohol.<\/strong> (Seit 2009)<\/p>\n<p>Ich habe schon von Anfang an sehr selektiv Alkohol konsumiert, weil mir viele Varianten einfach nicht schmecken. Inklusive Bier. Ich kann den herben Geschmack nicht ab. Ab und zu mal Bier Mischgetr\u00e4nke, meist dann aber Rotwein oder Wodka. Hier ein Gru\u00df an die italienischen und polnischen Wurzeln. Irgendwann gab es ein paar Punkte, die zusammenkamen:<\/p>\n<ul>\n<li>Es schmeckt mir nicht nicht. Klar gibt es gute Weine. Aber so grunds\u00e4tzlich gesehen muss ich sagen, mag ich den Geschmack von Alkohol nicht. Und im Laufe der Zeit ist mir immer klarer geworden, dass ich nicht des Genusses wegen trinke, sondern &#8222;weil man das so macht&#8220;. War ja schon schlimm genug, den Leuten jedes Mal erkl\u00e4ren zu m\u00fcssen, dass ich kein Bier trinke und lieber zum Wein greife. Dazu kommt der<\/li>\n<li>Kontrollverlust. In meiner ganzen Beziehung zum Alkohol habe ich einmal davon gekotzt, einmal einen Blackout gehabt und einmal beides zusammen erlebt. In einem Zeitraum von etwa 6 Jahren. Und mir wurde immer klarer, dass ich diesen Kontrollverlust nicht haben will. Das ist ganz wichtig wegen des n\u00e4chsten Punktes.<\/li>\n<li>Ich kann alkoholisierte Menschen oft nicht ernst nehmen. Grunds\u00e4tzlich Menschen unter Einfluss von Bewusstseinsver\u00e4ndernden Mitteln. Es gibt da diese Anekdote einer Feier auf der ich nicht betrunken, aber ganz gut dabei war und da dieses M\u00e4dchen aus der Arbeit war, die einfach cool war. Und an diesem Abend traute ich mich endlich und z\u00e4hlte ihr all die Sachen auf, die c0ol an ihr waren. Was f\u00fcr ein gutes Gef\u00fchl, das endlich vermitteln zu k\u00f6nnen. Endlich den Mut aufbringen zu k\u00f6nnen. Am folgenden Montag aber kommt sie auf mich zu und sagt, Fabi, wie s\u00fc\u00df war das, als du betrunken warst, du hast so liebe Sachen gesagt. Und ich sagte, das hat nicht mit dem betrunken sein zu tun gehabt, ich meinte das alles ernst und kann es auch jetzt noch wiedergeben. Aber sie lachte und ging davon. Und genau so geht es mir auch oft. Und das ist schade. Denn oft sind es Gespr\u00e4che mitten in der Nacht oder an ungew\u00f6hnlichen Orten, nach Stunden der Ann\u00e4herung, des Tanzens, des Zusammenseins, die wundersch\u00f6n und erinnernswert sind. Wenn aber Alkohol oder andere Drogen im Spiel sind, dann schm\u00e4lert das meine Erinnerung und mein Gef\u00fchl, weil ich nie wei\u00df, ob das der Mensch ist oder der Alkohol. Und wie schade w\u00e4re das, wenn die Menschen die tiefen Worte nur unter Drogeneinfluss aussprechen k\u00f6nnen? Und deshalb als letzten und auch zusammenfassenden Punkt:<\/li>\n<li>Oft war es mir das nicht wert. Ich glaube, die gute Stimmung, die durch Alkohol oder andere Drogen erreicht wird, bekommt man auch so hin. Oder anders: Ich f\u00fcr mich komme an den gleichen, wenn nicht sogar besseren Punkt, ohne Einfluss. Aber dazu kommen wir gleich bei den restlichen Drogen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wegen all der Punkte sagte ich mir also dann, das ist es nicht wert. Ich lasse den Alkohol einfach weg. Nie bereut, nie Gel\u00fcste danach gehabt.<\/p>\n<p><strong>Keine anderen Drogen.<\/strong> (Seit 2006)<\/p>\n<p>Ich habe auch nicht viele Drogen probiert. Marihuana und das damals noch legale <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Azteken-Salbei\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Salvia Divinorum<\/a>, das war&#8217;s. W\u00e4hrend Halluzinogene eine gewisse Faszination ausstrahlen, war mir beim kiffen ziemlich schnell klar, dass ich auch hier nicht dir Droge brauche, um die gew\u00fcnschte Wirkung zu erreichen.<\/p>\n<p>Meine Lieblingsmetapher f\u00fcr Drogen aller Art ist der Fahrstuhl. Ich kann in den Fahrstuhl steigen und schnell auf die gew\u00fcnschte Ebene kommen. Ich kann aber auch die Treppe nehmen. Ich nehme lieber die Treppe.<\/p>\n<p><strong>Kein Fleisch.<\/strong> (Seit 2010)<\/p>\n<p>Mein bester Freund ist Vegetarier, seit ich denken kann. Deshalb war ich auch bei etlichen Diskussionen f\u00fcr den Fleischverzicht dabei und musste jedes Mal feststellen, dass er Recht hat. Ich kann keine Argumente f\u00fcr die Art von Fleischkonsum finden, wie sie derzeit gemeinhin praktiziert wird. Rechtfertigungen, ja. Die haben diese Entscheidung dann auch um Jahre verschoben. Bis ich immer mehr Vegetarier und Veganer kennengelernt habe und ich jedes Mal gesagt habe, ich habe kein Argument dagegen, aber glaube nicht, dass ich das hinkriege. Und eine Freundin sagte mir dann Ende 2010, keiner zwingt dich, von jetzt auf gleich Vegetarier zu sein. Aber du kannst bei jedem Essen neu entscheiden, ob du Fleisch essen willst, oder nicht. Seitdem habe ich noch zwei Tiefk\u00fchlpizzen \u00a0mit Salami darauf gegessen.<\/p>\n<p>Besonders im ersten Jahr hatte ich immer wieder noch Lust auf Fleisch. Noch nichtmal auf ein gutes Steak oder so, sondern eher auf Schnitzel mit Pommes oder ein D\u00f6ner. Aber immer, wenn es um die konkrete Entscheidung ging, war das Fleisch nicht mehr relevant. Und mir geht es sehr gut damit.<\/p>\n<p>Mittlerweile strebe ich danach, vegan zu leben. Aber eben mit oben genannter Methode: Bei jedem Essen neu zu entscheiden, ob ich Tierprodukte zu mir nehmen m\u00f6chte. Und wenn, dann ist das okay.<\/p>\n<p><strong>Ob ich noch Spa\u00df habe?<\/strong><\/p>\n<p>Diese Frage bekomme ich h\u00e4ufig gestellt. Tats\u00e4chlich glaube ich aber, dass Spa\u00df haben und Rauschzust\u00e4nde durchaus ohne all die oben genannten Sachen m\u00f6glich sind. Auf eine reinere, bewusstere Art. Denkt an die Fahrstuhlmetapher.<\/p>\n<p>Mir geht es sehr gut mit dieser Lebensweise. Wobei ich auch nicht das Gef\u00fchl habe, wirklich auf etwas total tolles zu verzichten. Im Gegenteil bin ich eher ziemlich erschrocken, wenn jemand sagt, er braucht jetzt unbedingt Kaffee \/ Alkohol \/ Fleisch, sonst kann er nicht arbeiten \/ feiern \/ Spa\u00df haben \/ die n\u00e4chste Woche \u00fcberstehen.<\/p>\n<p>Ich will kein Moralapostel sein, niemanden blo\u00dfstellen oder mich h\u00f6herstellen. Ich m\u00f6chte meine Sichtweise, meine momentane Meinung darlegen. Aber ich bin sehr gespannt auf eure Gedanken dazu.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Irgendwie versuchen wir Menschen oft, alles in Kategorien einzuordnen, um sie schneller benennen zu k\u00f6nnen. Beim Versuch, meinen Lebensstil in eine Kategorie zu fassen, komme ich immer wieder auf Straight Edge, aber das f\u00fchlt sich nicht ganz richtig an. Die w\u00f6rtliche Bedeutung, &#8222;der Vorteil des N\u00fcchtern sein&#8220;, mag ich sehr, aber in der Schublade Straight [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[270,1979,3472],"class_list":["post-4906","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-leben","tag-asket","tag-lebensweise","tag-verzicht"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/mokita.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4906","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/mokita.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/mokita.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mokita.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mokita.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4906"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/mokita.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4906\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/mokita.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4906"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/mokita.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4906"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/mokita.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4906"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}