{"id":3687,"date":"2012-02-02T19:48:33","date_gmt":"2012-02-02T18:48:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mokita.de\/blog\/?p=3687"},"modified":"2012-02-02T19:48:33","modified_gmt":"2012-02-02T18:48:33","slug":"text-die-sache-mit-den-konstellationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mokita.de\/blog\/2012\/02\/02\/text-die-sache-mit-den-konstellationen\/","title":{"rendered":"Text: Die Sache mit den Konstellationen"},"content":{"rendered":"<p>Als ich 12 Jahre alt war, war ich oft alleine unterwegs. Andere Leute interessierten mich nicht wirklich. Das lag vielleicht auch daran, dass sie sich nicht f\u00fcr mich interessierten. Also lief ich, wenn ich durch die Stadt ging, mit dem Kopf gesenkt. Beobachtete, wie der Wind mit einer leeren Plastikt\u00fcte spielte, wie durch die Risse im Asphalt Bilder entstanden und wie ablaufendes Wasser sich seinen Weg auf dem staubigen Asphalt bahnte. Sie war auch 12 Jahre alt und interessierte sich nicht f\u00fcr andere Leute. Was aber daran lag, dass sich jeder f\u00fcr sie interessierte und sie immer zu den Leuten aufschauen musste und dann entdeckte, dass es \u00fcber den K\u00f6pfen der Leute viel spannender war. Sie verfolgte den Flug der V\u00f6gel, die Wege der Wolken und das Spiel des Windes mit dem Staub. Sie hie\u00df Maya.<br \/>\nNat\u00fcrlich hie\u00df sie nicht Maya, aber es ist schon viel zu lange her, dass ich 12 war, als dass ich sie irgendwie anders als Maya nennen k\u00f6nnte. Sie hie\u00df also Maya, aber das wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Ich interessierte mich nicht f\u00fcr andere. Ich sah nach unten. Ich konnte stundenlang mit der Bahn durch die Stadt fahren und mir dabei anschauen, wie die Schuhe der anderen zu einander standen. Sie schlenderte den ganzen Tag durch den Wald und betrachtete die Formen der Bl\u00e4tter, wie das Licht sich seinen Weg suchte und wie die Tiere durch die Luft lavierten.<br \/>\nIrgendwann befestigte ich einen H\u00e4ngestuhl in den Baum bei meinem Fenster, \u00fcber die Stra\u00dfe, schaukelnd im Wind. Dort hing ich dann. Pendelte. Und interessierte mich dann pl\u00f6tzlich doch f\u00fcr Leute. Wie sie liefen, sich zueinander bewegten. Sich n\u00e4herten, ein kurzes St\u00fcck nebeneinander gingen und sich dann nie wieder sahen. Ich war fasziniert von den Konstellationen, die Menschen f\u00fcr ganz kurze Augenblicke einnahmen. Nur um sie dann wieder zu ver\u00e4ndern. Irgendwann begann sie, jede Nacht unbemerkt aus dem Haus zu schl\u00fcpfen und durch die Dunkelheit zu gehen, den Kopf weit im Nacken, den Blick bei den Sternen. Wie sie zueinander stehen, sich so langsam, f\u00fcr uns nicht sichtbar, bewegen und auch nach Jahren, wenn sie schon l\u00e4ngst erloschen sind, f\u00fcr uns immer noch scheinen. Sie war fasziniert von den Konstellationen, die die Sterne einnahmen, anscheinend f\u00fcr immer. Und sich dabei doch bewegten. Ich bemerkte, wie nah Menschen einander waren, aber ich wusste, wenn man genau hinsah, hatten sie \u00fcberhaupt nichts miteinander zu tun. Sie sah, wie nah die Sterne von Weiten einander standen, aber sie wusste, wenn man n\u00e4her kam, waren sie unglaublich weit auseinander. Sie lief durch die Stadt und blickte nach oben. Ich hing in meinem Baum und sah nach unten. Bis sie unter mir stehen blieb. Ich pendelte weiter. Wir sahen uns an und dachten, wow, diese Augen haben so viel gesehen, von dem ich keine Ahnung habe. Wir hatten keine Ahnung wie \u00e4hnlich unsere Gedanken waren.<br \/>\nWenn ich heute in diese Augen blicke, dann bin ich wieder 12. Und bin fasziniert von der Konstellation, die wir einnehmen, seit Jahren. Und uns dabei doch bewegen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich 12 Jahre alt war, war ich oft alleine unterwegs. Andere Leute interessierten mich nicht wirklich. Das lag vielleicht auch daran, dass sie sich nicht f\u00fcr mich interessierten. Also lief ich, wenn ich durch die Stadt ging, mit dem Kopf gesenkt. 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