{"id":12,"date":"2009-01-07T16:34:07","date_gmt":"2009-01-07T15:34:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mokita.de\/blog\/?p=12"},"modified":"2009-01-07T16:34:07","modified_gmt":"2009-01-07T15:34:07","slug":"text-der-absatz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mokita.de\/blog\/2009\/01\/07\/text-der-absatz\/","title":{"rendered":"Text &#8211; Der Absatz"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein Ausschnitt aus dem Film auf der Leinwand des Lebens <\/strong><\/p>\n<p class=\"first\"><span class=\"first_letter\">Z<\/span>u oft war der Wecker schon gegen die Wand geflogen, als das er noch richtig klingeln konnte. Es war eher ein mechanisches Rattern, das mich jeden Morgen weckte. Mit einer einge\u00fcbten Handbewegung packte ich den Wecker und warf ihn gegen die Wand. Normalerweise prallte er gegen die Wand, fiel auf den Boden und ratterte weiter, sodass ich aufstehen musste, um ihn auszumachen. Doch heute ging er tats\u00e4chlich aus, als sich die Wand in seine Flugbahn stellte. Aus diesem Grund kam ich heute zu sp\u00e4t zur Arbeit.<!--more--><\/p>\n<p><em>Ich muss mir einen neuen Wecker kaufen.<\/em><br \/>\nMeine Gedanken dachten nicht daran, an Arbeiten zu denken. Sie dachten an den kaputten Wecker. Als dieser noch ganz war, hatte ich nie an ihn gedacht, oder gar \u00fcber ihn nachgedacht. Mit krummen R\u00fccken sa\u00df ich an meinem Schreibtisch, meine Gedanken dachten an den Wecker und meine Augen sahen durch das Fenster nach drau\u00dfen. Es regnete. Das hei\u00dft, es regnet immer noch. Doch es regnete auch zu dem Zeitpunkt, als ich aus dem Fenster sah.<br \/>\n<em>So ein Pisswetter. Das macht so depressiv. <\/em><br \/>\nObwohl ich die ganze Zeit hier drin sitze. Wenn die Sonne scheinen w\u00fcrde, w\u00fcrde ich denken:<br \/>\n<em> Drau\u00dfen ist so sch\u00f6nes Wetter und ich muss hier drin sitzen.<\/em><\/p>\n<p>Ich beschloss, meinem eigenen Teufelskreis zu entfliehen. In der ersten Pause zog ich meinen Mantel an und ging. Zumindest bis vor die T\u00fcr. Dort standen die Raucher. Ich nickte ihnen zu. Ich wusste gar nicht wo ich hinwollte.<br \/>\n<em>Immer einen Schritt vor den anderen setzen. So komme ich an jedes Ziel. <\/em><br \/>\nSo ging ich unter dem Dach hervor und trat in den Regen. Ich wollte in den Himmel gucken, doch der Regen fiel mir in die Augen und machte es unm\u00f6glich, nach oben zu sehen. Also sah ich meinen F\u00fc\u00dfen bei den Schritten zu. Wenn man lange genug l\u00e4uft und dabei nur auf seine Oberschenkel guckt, sieht es irgendwann so aus, als ob man schweben w\u00fcrde. Wenn nichts im Weg steht. Ich stand pl\u00f6tzlich vor einem Eispavillion.<br \/>\n<em>Tu was Verr\u00fccktes.<\/em><\/p>\n<p>Ich sa\u00df im Regen auf der Bank am Fluss und leckte an meinem Eis. Schoko und Banane.<br \/>\n<em>Eigentlich w\u00fcrde ich jetzt vor meinem Computer sitzen und Kalkulationen durchf\u00fchren. <\/em><br \/>\nJetzt dachte ich an Arbeit! An meine t\u00e4gliche monotone Arbeit, f\u00fcnf Tage die Woche, von sieben bis f\u00fcnf. Ein unendliches Herunterleiern von Zahlen. Ohne Pause.<\/p>\n<blockquote><p>Und dann stand jemand auf und warf einen Schatten auf die Leinwand, auf die der Film des Lebens projiziert wurde. Buh-Rufe wurden laut. Popcorn flog von den oberen Reihen und traf Unschuldige am Hinterkopf. Der Schattenwerfer hob entschuldigend die H\u00e4nde und wurde eins mit der Dunkelheit an den Seiteng\u00e4ngen, die nur von den Notausgangsschildern beleuchtet wurde.<\/p><\/blockquote>\n<p>Da die Bank schon nass gewesen war, als ich mich gesetzt hatte, war mein Hinterteil nun feucht. Mit nassen Streifen auf meinem Po ging ich durch die Stadt. Meine Blase meldete sich. In gewisser Weise war ich froh drum. Nun wusste ich wohin es mich zieht. Am Bahnhof gibt es bestimmt Klos.<br \/>\n<em>Was habe ich davon, dass ich den ganzen Tag arbeite? <\/em><br \/>\nMit nassen Klamotten und dem dringlichen Gef\u00fchl, aufs Klo zu m\u00fcssen, stand ich im Regen vor dem Bahnhof. Das Klo war \u201awegen Randale vor\u00fcbergehend geschlossen\u2019. In das Restaurant gegen\u00fcber traute ich mich nicht.<br \/>\n<em>Warum habe ich Angst vor einem Nein? Es gar nicht zu Probieren f\u00fchrt doch zu dem gleichen Ergebnis.<\/em><\/p>\n<blockquote><p>Besonders die hinteren Reihen leerten sich zusehends. Eine Unruhe erfasste die Menschen im Lichtspielsaal.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ein  Fastfoodrestaurant diente mir dann als Ablassstelle f\u00fcr meine Blase.<br \/>\n<em>Tu etwas, was du sonst nie tust. <\/em><br \/>\nIch hatte vergessen, warum ich nie in solchen Restaurants a\u00df. Ich kam mir hier immer so alleine vor. Als ich bezahlt hatte, stellte mir die Frau einen kleinen roten Wecker auf das Tablett. Eine kleine Zugabe zum Men\u00fc. Nachdem ich gegessen hatte, nahm ich das Tablett, ging zu dem W\u00e4gelchen, sah dann die Bedienstete, die aufr\u00e4umte, stellte das Tablett auf den n\u00e4chsten Tisch und verlies den Laden.<br \/>\nMeine Hose war zumindest hinten wieder einigerma\u00dfen trocken. Der Regen verhinderte, dass der Rest von mir trocknete. Es war heute nie richtig hell gewesen. Die Sonne wollte heute nicht in meine Stadt schauen. Also, ich meine in die Stadt in der ich wohne. Langsam wurde es dennoch dunkler.<br \/>\n<em>Mein Auto steht noch vor der Firma.<\/em><\/p>\n<p>Zuhause angekommen, legte ich meinen Anzug mit den Schuhen in die Badewanne, um sie einzuweichen und zu putzen. Als alles \u00fcber dem W\u00e4schest\u00e4nder hing machte ich mich bettfertig und legte mich hin. Ich lag da, meine Augen schauten in die Dunkelheit.<br \/>\n<em>Was habe ich heute getan?<br \/>\nNichts.<br \/>\nEin verschwendeter Tag.<br \/>\nNein. Der heutige Tag war ein Absatz im Text meines Lebens. Eine Pause im endlosen herunterleiern. Eine Auflockerung meiner Selbst.<\/em><\/p>\n<blockquote><p>Ein Fade-Out, dann schlie\u00dft sich der Vorhang und das Licht geht an.<br \/>\nMurmelnd verlassen die Zuschauer den Raum. Der Filmvorf\u00fchrer winkt ihnen zu. Der Film hat ihnen nicht gefallen.<br \/>\nEs ist nichts passiert.<\/p>\n<p>Doch im Grunde sie nicht gest\u00f6rt, das nichts passiert ist. Zumindest nicht prim\u00e4r.<br \/>\nGest\u00f6rt hat sie, das sie sich an sich selbst erinnert gef\u00fchlt hatten. Alles, was sie heute gesehen hatten, kannten sie aus ihrem eigenen Leben. Und was sie gesehen hatten, war alles andere als spannend gewesen.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Ausschnitt aus dem Film auf der Leinwand des Lebens Zu oft war der Wecker schon gegen die Wand geflogen, als das er noch richtig klingeln konnte. Es war eher ein mechanisches Rattern, das mich jeden Morgen weckte. Mit einer einge\u00fcbten Handbewegung packte ich den Wecker und warf ihn gegen die Wand. 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