{"id":4299,"date":"2013-08-24T11:44:42","date_gmt":"2013-08-24T10:44:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mokita.de\/blog\/?page_id=4299"},"modified":"2013-08-24T11:44:42","modified_gmt":"2013-08-24T10:44:42","slug":"sprechkunst-und-kommunikationspaedagogik-der-studiengang","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/mokita.de\/blog\/geschriebenes\/sprechkunst-und-kommunikationspaedagogik-der-studiengang\/","title":{"rendered":"Sprechkunst &amp; Kommunikationsp\u00e4dagogik. Der Studiengang."},"content":{"rendered":"<p><em>Zuletzt aktualisiert am 05.06.2019<\/em><\/p>\n<blockquote><p>Ist das sowas wie Logop\u00e4die?<\/p>\n<p>Sowas kann man studieren?<\/p><\/blockquote>\n<p>Das sind die ersten Fragen, die fast immer gestellt werden, wenn ich erz\u00e4hle, was ich studiere. Sprechkunst und Kommunikationsp\u00e4dagogik. Auch Sprecherziehung genannt. An der staatlichen\u00a0<a href=\"http:\/\/www.mh-stuttgart.de\/de\/studium\/vorlesungsverzeichnis-sose2013\/sprechkunst-sprecherziehung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Hochschule f\u00fcr Musik und darstellende Kunst Stuttgart<\/a>. Auch Musikhochschule oder HMdK genannt. Deshalb vergessen die Menschen das so oft, es gibt da auch andere Sachen neben der Musik. Der Gro\u00dfteil der Leute wei\u00df nicht, was das ist, Sprechkunst.\u00a0Wenn ich das dann aber erkl\u00e4re, dann sind ganz viele begeistert und wollen mehr wissen.<\/p>\n<p>Deshalb hier eine Sammlung an Antworten rund um das Sprechen und diesen Studiengang.<\/p>\n<p><em>Ich habe in Stuttgart von 2010 bis 2014 studiert. Dieser Artikel basiert auf meiner eigenen Meinung und meinem Wissensstand, ich \u00fcbernehme also keine Gew\u00e4hr, aber habe alles nach bestem Gewissen geschrieben und werde ihn bei Bedarf auch erweitern oder ab\u00e4ndern.<\/em><\/p>\n<p><strong>Aber was ist denn nun Sprechkunst und Kommunikationsp\u00e4dagogik?<\/strong><\/p>\n<p>Sprechkunst hei\u00dft, ich lerne, in jeder Situation optimal zu sprechen. <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sprecherziehung#Sprechkunst_.28.C3.84sthetische_Kommunikation.29\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wikipedia<\/a> sagt:<\/p>\n<blockquote><p>Die \u00e4sthetische Kommunikation [&#8230;] besch\u00e4ftigt sich mit der Theorie und praktischen Umsetzung des\u00a0Sprechens\u00a0von literarischen Texten (Gedichte, Reden, Schauspiel etc.). Ziel ist es, eine angemessene Interpretation und Vortragsform des jeweiligen Textes zu finden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das reicht vom urspr\u00fcnglichen k\u00fcnstlerischem Vortrag auf der B\u00fchne \u00fcber die Moderation eines Musikabends bis hin zum Mediensprechen, also alles, was am Mikrofon in einer Kabine passiert: Radio, in all seinen Facetten von Nachrichten \u00fcber Moderation und Reportage, Fernsehen in seinen Facetten, aber auch Synchronsprechen, H\u00f6rb\u00fccher und H\u00f6rspiele.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus &#8211; und das ist der Teil der Kommunikationsp\u00e4dagogik &#8211; lerne ich, das alles und noch viel mehr auch wieder anderen beizubringen. Ich arbeite sp\u00e4ter also mit Menschen, die in ihren Berufen viel sprechen und kommunizieren. Das reicht vom Lehrer \u00fcber den Schauspieler und Moderator bis hin zum Politiker oder Handelsvertrter<\/p>\n<p><strong>Und was genau mache ich dann sp\u00e4ter damit?<\/strong><\/p>\n<p>Nunja, einerseits K\u00fcnstler werden, auf der B\u00fchne stehen und Texte rezitieren \/ vortragen \/ slammen \/ darbieten \/ performen. Oder zum Radio \/ Fernsehen \/ in die Medien gehen. Zum anderen eben Trainer werden. In der VHS \/ Schauspielschule \/ im Radiosender Leute unterrichten und ihnen das Kommunizieren beibringen. Im weiten Sinne des Wortes. Da geh\u00f6rt neben der Hochlautung (das ist der richtige Name f\u00fcr das, was die Menschen gemeinhin als Hochdeutsch bezeichnen) und der Phonetik auch die K\u00f6rperarbeit dazu. Und die Rhetorik. Grunds\u00e4tzlich ist die Bandbreite der M\u00f6glichkeiten gro\u00df, man muss &#8222;nur&#8220; im richtigen Feld seine Standbeine aufbauen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Wie sieht das Studium so aus?<\/strong><\/p>\n<p>Wir sind pro Semester etwa 8 Leute,\u00a0in Ausnahmesituationen auch mal 10. In den letzten Jahren haben sich durchschnittlich 80 Leute auf diese 8 Pl\u00e4tze beworben, Tendenz steigend. Aber zum Aufnahmeverfahren kommen wir sp\u00e4ter noch.<\/p>\n<p>Bei so einem kleinen Studiengang ist das Studium selbst viel pers\u00f6nlicher und direkter. Einfach mal krank machen und jemand anderen die Unterschrift auf der Anwesenheitsliste f\u00e4lschen lassen, ist nicht. Das f\u00e4llt auf. Generell ist das Studium sehr intensiv. Es gibt regelm\u00e4\u00dfigen Einzelunterricht &#8211; Sprechen und Gesang, je nach Profilwahl auch Mediensprechen &#8211; und Workshops von Profis in allen m\u00f6glichen Facetten des Kommunizierens. Ebenso ist es ein sehr praktisches Studium. Wir haben viel Bewegungsunterricht: Atem &amp; Stimme, Schauspielunterricht und Rhythmik. Dazu kommen viele Sprechprojekte, die Rhetorikvortr\u00e4ge und die Unterrichtspraxis. Die theoretischsten Sachen, die wir im Laufe des Studiums haben, sind Phonetik, Anatomie, Literatur und Methodik und Didaktik. Aber selbst in diesen F\u00e4chern wird extrem viel praktisch gemacht. Einen genauen Einblick gibt es im den <a href=\"http:\/\/www.mh-stuttgart.de\/studium\/modulbeschreibungen\/modulbeschreibungen-bachelor-sprecherziehungsprechkunst\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Modulbeschreibungen<\/a>.<\/p>\n<p>Man verbringt viel Zeit mit Texten, das lesen, lernen und sprechen. Aber eben auch generell viel Zeit mit allem, was kommunizieren im gro\u00dfen Stil angeht. Insgesamt geht der Bachelor vier Jahre. Zwei Jahre Grundstudium, dann entscheidet man sich f\u00fcr eines von vier Profilen: Mediensprechen, Rhetorik, Sprecherziehung oder Sprechkunst. Der Master in den gleichen Profilen dauert dann noch ein Jahr.<\/p>\n<p><strong>Und wie kommt man da rein?<\/strong><\/p>\n<p>Wie oben schon angesprochen gibt es eine Aufnahmepr\u00fcfung. Das ist erstmal abschreckend, aber eigentlich ganz cool. Denn es ist egal, was f\u00fcr Noten man hat, oder ob \u00fcberhaupt Abitur. Man kann quasi in drei Tagen zeigen, was man drauf hat und warum man das studieren will. &#8222;Quasi&#8220; deshalb, weil man erst durch die ersten 10 Minuten kommen muss. <a href=\"https:\/\/www.hmdk-stuttgart.de\/studium\/studiengaenge-darstellende-kunst-figurentheater-oper-schauspiel-sprechkunst\/bachelor-sprechkunstsprecherziehung\/informationen-zur-aufnahmepruefung\/\">Hier die offiziellen Informationen zur Aufnahmepr\u00fcfung<\/a>. Die Aufnahmepr\u00fcfungen sind meist zwischen Mitte bis Ende Juni eines Jahres, die Bewerbungsfrist bis 15. April eines Jahres. Exaktere Daten gibt bei Verf\u00fcgbarkeit unter den <a href=\"http:\/\/www.mh-stuttgart.de\/studium\/wichtige-termine\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wichtigen Terminen<\/a> der Hochschule.<\/p>\n<p>Die ersten 10 Minuten sind die Hauptaufnahmepr\u00fcfung. Alles andere kommt sp\u00e4ter. Man\u00a0muss mindestens zwei Texte (ein Prosa, ein Lyrik, aus zwei verschiedenen Jahrhunderten) mit einer Gesamtl\u00e4nge von rund 10 Minuten (das ist eine Angabe aus 2013, das kann sich auch \u00e4ndern, daf\u00fcr die Anforderungen f\u00fcr die Aufnahmepr\u00fcfung genau lesen) frei vortragen k\u00f6nnen. Es k\u00f6nnen nat\u00fcrlich auch mehrere kurze Texte vorgetragen werden, solange sie insgesamt nicht l\u00e4nger als die 10 Minuten sind und sowohl Prosa, als auch Lyrik dabei ist und die verschiedenen Jahrhunderte abgedeckt sind. &#8222;Frei&#8220; bedeutet auswendig. Dabei achten die Pr\u00fcfer auf eine saubere Aussprache, wenn es geht dialektfrei und frei von zu tiefen Sprachfehlern. ( Aber man muss ja eh&#8216; zuvor zum <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Phoniatrie\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Phoniatrer<\/a> \/ HNO-Arzt zwecks des Gutachtens). Dann sollten die Texte auch mit einer gewissen Ansprechhaltung und passenden Hintergedanken pr\u00e4sentiert werden.<\/p>\n<p>Aber das ist ja die Aufnahmepr\u00fcfung f\u00fcr das Studium, hei\u00dft, man muss nicht perfekt sein, man lernt noch viel im Studium. Deshalb fragen sie einen auch nach der Motivation, hier zu studieren und daf\u00fcr sollte man auch eine gute Antwort parat haben. Im Sinne von, &#8222;einfach mal so&#8220; sprechen zu studieren wird wohl eher schwer sein als Rechtfertigung, warum ausgerechnet man selbst in diesem Studiengang aufgenommen werden sollte.<\/p>\n<p><strong>Welche Texte sollte man vortragen?<\/strong><\/p>\n<p>Welche Texte man macht, ist einem innerhalb der Rahmensetzung (ein Prosa, ein Lyrik, aus zwei verschiedenen Jahrhunderten) frei. Bisher ist der Tenor, die Kommission freut sich auf unbekannte, vielleicht sogar eigene Texte. Manche Texte h\u00f6rt man extrem oft, das muss nicht sein. Und wenn man selbst dann noch was mit den Texten verbindet, umso besser. Wenn es Texte gibt, die einen schon eine Weile begleiten, wieso nicht diese nehmen? Das sp\u00fcrt man dann auch. Nat\u00fcrlich darf es auch ein eigener Text sein. Zus\u00e4tzlich zu den erarbeiteten Texten und der Frage gibt es in dieser Runde ein Gedicht, f\u00fcr das eine Dreiviertelstunde Zeit zum proben hat (niemand verlangt, dass man es in der Zeit auswendig kann) und einen Text, den man <a href=\"http:\/\/de.wiktionary.org\/wiki\/prima_vista\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">prima vista<\/a> liest, also direkt beim ersten Lesen laut vorliest.<\/p>\n<p>Wenn man diese Runde schafft, hat man den Gro\u00dfteil hinter sich. Hier werden etwa 60% der Bewerber ausgesiebt. Die Restlichen d\u00fcrfen alle folgenden Pr\u00fcfungen machen. Dazu geh\u00f6rt eine m\u00fcndliche Interpretation eines Gedichtes (oft jenes, welches man am Tag zuvor bekommen hat, um es zu sprechen). Dabei wird man von unseren Literaturprofessoren zu dem Gedicht befragt, vielleicht 15 Minuten lang. Dann gibt es eine schriftliche germanistische Aufgabe, die man in einer Stunde bew\u00e4ltigen muss. Also einen Text analysieren oder interpretieren. \u00c4hnlich wie im Abi, nur viel weniger, man hat ja auch viel weniger Zeit. Dann gibt es eine rhetorische Pr\u00fcfung, man bereitet eine Rede von 3-4 Minuten zu einem vorgegebenem Thema vor und wird danach vom Professor zu diesem Thema noch befragt. Meiner Meinung nach kommt es ihm aber mehr auf die F\u00e4higkeit an, wie man auf Konter reagiert, als auf den tats\u00e4chlichen Wissensstand. Und zum Schluss gibt es eine rhythmische Pr\u00fcfung. Rhythmik ist tats\u00e4chlich ein Abfragen der motorischen F\u00e4higkeiten. Man ist da mit etwa 5 anderen Leuten in einem Raum, l\u00e4uft im Takt einer Musik, muss den Takt halten k\u00f6nnen, ein Bewusstsein daf\u00fcr haben, wo die anderen im Raum sind und was sie machen und so weiter.<\/p>\n<p>Das ist alles. Geht insgesamt drei Tage, meist so Mitte bis Ende Juni. Und dann hofft man etwa drei Wochen auf eine Zusage. Falls es nicht klappt, man kann es ein zweites Mal probieren.<\/p>\n<p>Wer mehr Infos zum Studiengang will, im <a href=\"http:\/\/www.studentenwerk-stuttgart.de\/publikationen\/heldenheft\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">heldenheft 02\/14<\/a> gibt es ein Interview mit mir \u00fcber den Studiengang. Seite 14 geht es los. Und dar\u00fcber hinaus gibt es eine <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sprechkunststuttgart\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Facebookseite<\/a>, die ganz aktuell \u00fcber den Studiengang, aber auch \u00fcber Veranstaltungen von Studierenden informiert.<\/p>\n<p>Wenn man sich wirklich f\u00fcr den Studiengang interessiert, darf man sich entweder bei mir melden oder bei der:dem zust\u00e4ndigen Tutor:in f\u00fcr \u00d6ffentlichkeitsarbeit: <a href=\"mailto:Tutoriat-Institutsleitung-Sprechkunst@hmdk-stuttgart.de\">Tutoriat-Institutsleitung-Sprechkunst@hmdk-stuttgart.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zuletzt aktualisiert am 05.06.2019 Ist das sowas wie Logop\u00e4die? Sowas kann man studieren? Das sind die ersten Fragen, die fast immer gestellt werden, wenn ich erz\u00e4hle, was ich studiere. Sprechkunst und Kommunikationsp\u00e4dagogik. Auch Sprecherziehung genannt. 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