Buch vs Film: 22 Bahnen

Tilda lebt mit ihrer kleinen Schwester und ihrer alkoholkranken Mutter, Mathematik und Schwimmen geben ihr den Halt, durch das Chaos zu kommen, das das Leben ihr entgegenwirft. Dann bekommt sie das Angebot, nach Berlin zu gehen, für die Mathematik. Aber kann sie Isa bei alleine bei der Mama lassen?

Ich hab erst den Film gesehen und dann das Buch gelesen. Luna Wedler ist nach Was man von hier aus sehen kann und Marianengraben wieder die Protagonistin einer Buchverfilmung, wieder eine traumatisierte junge Frau. Sie kann das und ich schaue ihr dabei gerne zu, aber es fühlt sich auch ein bisschen an, als hätte man die offensichtliche Wahl getroffen. Von Laura Tonke dagegen war ich ziemlich beeindruckt, liebende Mutter und alkoholisierter Mensch, das fand ich krass.

Caroline Wahl hat mit ihrem Debütroman eine solide Geschichte erzählt, die ich zwar gern gelesen habe, mir aber manchmal in der Schreibe nicht konsequent genug war. Beispielsweise lässt Wahl bei der wörtlichen Rede jedes „sagte“ und die Anführungszeichen weg, schreibt nur den Namen der Person die spricht und einen Doppelpunkt, ähnlich wie ein Filmskript. Aber eben nicht immer. Schade.

Der Film bleibt nah am Buch, manchmal wortwörtlich, zieht manche Erzählstränge ein bisschen zusammen und legt für mein Gefühl den Fokus auf die richtigen Stellen, die im Buch manchmal fast nebenher erzählt werden. Ich fand den Film stringenter, glücklicherweise hat er ein ähnlich offenes Ende wie das Buch und im Gegensatz zum Trailer werden die 22 Bahnen nicht so oft betont.

Ich empfinde Voice-Over bei einer Literaturverfilmung oft als den missglückten Versuch, eine geschriebene Geschichte in Bilder zu übersetzen. Fühlt sich dann oft nach bebildertem Hörbuch an statt nach eigener Version der Geschichte. In diesem Fall finde ich das Voice-Over bei den Supermarkt-Szenen, wie die im Trailer, sehr passend. Darüber hinaus leider nicht mehr.

Alles in allem habe ich den Film gern geguckt, aber ehrlicherweise hätte es nicht im Kino sein müssen.

22 Bahnen, nach dem Roman von Caroline Wahl, ab jetzt im Kino. Das Buch erschien bei Dumont. Ich habe den Film bei der Pressevorführung in Hamburg gesehen.

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Kommentare

Eine Antwort zu „Buch vs Film: 22 Bahnen“

  1. Avatar von Nana

    Lieber Fabian!

    Danke für die tolle Einordnung! Ich bin gefühlt der letzte Mensch, der „22 Bahnen“ noch nicht gelesen hat (weil mich der Hype damals – wie eigentlich jeder Hype – ziemlich abgeschreckt hat). Da das Buch mittlerweile aber bereits sehnsüchtig auf dem Nachkästchen darauf wartet, endlich gelesen zu werden, werde ich das nun die Tage nachholen und dann ins Kino wuseln. Ich bin gespannt!

    Herzliche Grüße
    Nana

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